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Handy-Kultur : High-Tech im Harry Potter

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Harry Potter braucht kein Handy. Handys sind etwas für „Muggel“, gemeine Menschen ohne Zauberkraft. Wenn Harry Potter Nachrichten übermittelt, klammert er Hedwig, seiner Eule, einen Brief um die Kralle. Hedwig kommt immer durch, wird immer persönlich vorstellig und erreicht sogar vorübergehend Obdachlose. Um selbst zu orten, wer sich wo aufhält, benutzt Harry die Karte des Rumtreibers oder blickt auf die Standuhr im Hause der Familie Weasley.

          Die magische, anti-muggelsche Gesellschaft im Harry Potter ist mobil, global vernetzt und kennt Wege der Informationsbeschaffung gegen die eine Netzgemeinschaft keine Chancen hat. Dafür reichen die an der Eliteschule Hogwarts erlernten Kräfte allerdings nicht aus. Zauberer und Hexen greifen sehr wohl zu Dingen des nicht alltäglichen Gebrauchs, um ihre Möglichkeiten zu erhöhen.

          Portschlüssel

          Manche dieser Werkzeuge befördern das Reisen: Wer nicht „apparieren“ möchte (eine Kunst, die von der Abteilung für Magischen Personenverkehr überprüft wird und - ähnlich wie das Star Treksche „Beamen“ - in Zersplitterung und Auflösung des Körpers enden kann), reist weniger schick per Portschlüssel. Portschlüssel sind prestigelose Gegenstände, die „Muggel“ für bloßen Abfall halten, zum Beispiel ein verschimmelter alter Stiefel. Wer ihn berührt, kann als ganze Gruppe in Windeseile zum vereinbarten Zeitpunkt von einem Ort zum anderen transportiert werden.

          Omnigläser

          Andere Werkzeuge, wie die Omnigläser, versorgen mit zusätzlichen Informationen rund um ein Ereignis. Ohne sie kommt kein Magier, der auf sich hält, bei großen Meisterschaften im Luftsport „Quidditch“ aus. Man dreht an Knöpfen und Zifferblättern und wiederholt - folglich on demand - das Gesehene, verlangsamt dieses oder lässt sich einen Kurzkommentar zu allen Spielzügen einblenden. Dem Anwender wird hierbei schon eine gewisse High-End-Kenntnis abverlangt. Darüber hinaus gelangen die Dinger schon mal in den Ausverkauf und sind dort für ein paar Galleonen zu haben. Massenware eben.

          Standuhr

          Die Standuhr im Hause der Familie Weasley ist vollkommen nutzlos, wenn man wissen will, wie spät es ist. Dennoch ist sie auskunftsfreudiger als das Handy und sein Besitzer es je sein werden. Auf ihrem Zifferblatt sind keine Ziffern. Vielmehr steht hier, wo das jeweilige Familienmitglied gerade steckt: „Zu Hause“, „Schule“, „Arbeit“, „Verirrt“, „Krankenhaus“, „Gefängnis“, „Tödliche Gefahr“. Muggel denken bei so etwas gleich an „Big Brother“.

          Karte des Rumtreibers

          Schließlich besitzt Harry noch etwas sehr Kostbares. Seine Karte des Rumtreibers ist ein Werkzeug fürs Regelbrechen. Es kann zum Beispiel ganz Hogwarts darstellen, auch die vielen Abkürzungen und Geheimgänge. Die Personen im Internat werden als winzige, beschriftete Punkte übertragen, die sich in Realtime durch die Gänge bewegen. Solch´ ausgefuchste High-Tech-Ware kann natürlich nicht ordentlich verkauft werden; vielmehr wird sie verschenkt, vererbt oder gehandelt.

          Beruhigend, dass auch Zauberer und Hexen nicht ganz ohne „Prothesen“ auskommen, um schneller und besser durchs Leben zu gelangen. Dass sie das Design des jeweiligen Werkzeuges so gering achten und schon mal gar nicht an dem zugehörigen Label interessiert sind, macht sie einem Muggel natürlich per se verdächtig.



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