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Hamburger Elbphilharmonie : Imposante Welle auf Tiefgang

  • -Aktualisiert am

Richtfest der Elbphilharmonie: Die Diskussionen um die Kosten legt die Mentalität der Kaufmannsstadt bloß Bild: dpa

Sie soll in den Olymp der bedeutendsten Kulturstätten der Welt: Die Hamburger Elbphilharmonie feierte Richtfest, und Hamburg berauschte sich an der Architektur. Aber die Fragen und Probleme rund um den Prestigebau bleiben.

          Es ist eine der wirkungsmächtigsten Geschichten der Bibel: die Erzählung von jenem eigentümlichen Gebäude, dessen Spitze bis in den Himmel ragen sollte - als steingewordenes Symbol menschlicher Allmacht, die nicht einmal mehr vor dem Sitz der Götter oder gar des einen, noch allmächtigeren Gottes haltmacht. Bekanntlich ging die Sache, damals in Babylon, böse aus. Die Hybris, mehr sein zu wollen, als dem Menschen nun einmal zugedacht ist, schlug auf die kühnen Turmbauer zurück, verdrehte ihnen Zungen und Köpfe und verwirrte alle so nachhaltig, dass man das himmelstürmende Bauwerk unvollendet lassen musste. Dass das so herrlich vieldeutige Thema seit den Tagen Pieter Breughels immer wieder Künstler zu ähnlich hochfliegenden Bildphantasien inspiriert hat - wen wundert es.

          Seit einiger Zeit mehren sich böse, noch nicht wieder pfingstlich besänftigte Zungen, die behaupten, Babylon liege heute an der Elbe. Mitten im schönen Hamburg, an der repräsentativsten Stelle der schicken neuen Hafencity, erfülle ein Unding von Turm, was die sprichwörtliche Gestalt verspreche: draußen eckig, drinnen ein Fass ohne Boden. Vieles hängt in diesem Fall von der Betrachtungsweise ab. Der Turm ist kein Turm, sondern eine imposante Welle, die dereinst in Richtung Innenstadt schwappen wird.

          Großartige architektonische Qualität

          Das böte natürlich Anlass für weitere biblische Vergleiche, aber im Reich der kühlen Hanseaten hält man sich besser an die Fakten: Ersonnen hat das Wunderwerk das Schweizer Architektenduo Jacques Herzog und Pierre de Meuron, die zuvor durch Bauten wie das Pekinger Olympiastadion oder die Münchener Allianz-Arena von sich reden gemacht haben. Bezahlen sollte das Ganze ursprünglich nicht die Stadt, sondern ein Verbund aus spendierwilligen, dem hanseatischen Gemeinsinn verpflichteten Bürgern (die mittlerweile schon rund sechzig Millionen Euro zusammengetragen haben) und privaten Investoren, die sich dafür in Form von exklusiven Wohnungen und einem Fünf-Sterne-Hotel einen Teil vom Wunderkuchen abschneiden dürfen. Gedacht aber war und ist der Wunderturm, um unter dem Namen „Elbphilharmonie“ künstlerischen Glanz über die schnöde Kaufmannsstadt zu bringen, auf dass sie nun endlich in den Olymp der bedeutendsten Kulturstätten dieser Welt vordringe.

          Noch fehlt die letzte Welle, die Dachform ist aber schon zu erkennen

          Bei dem großen Richtfest, das man am Wochenende in Hamburg mit rund achttausend Gästen beging, gab dieser hehre Vorsatz - wenig überraschend - den Ton an. Kaum einer wagte daran zu erinnern, dass man eigentlich zu diesem Zeitpunkt bereits die Eröffnung des vom Volksmund liebevoll „Elphi“ getauften Gebäudes feiern wollte. Stattdessen wurde immer wieder die großartige architektonische Qualität beschworen, an der es - ein Unikum bei einem derart zentralen und repräsentativen Bau - tatsächlich wenig öffentliche Kritik gibt. Das Herzstück des Hauses, der Große Konzertsaal, sei eine Weiterentwicklung vergleichbarer Bauten wie der Berliner Philharmonie, gab Pierre de Meuron stolz zu Protokoll. Er ließ die Hanseaten einmal mehr davon träumen, dass sie mit der Elbphilharmonie „einen der zehn besten Konzertsäle der Welt“ erhalten werden.

          Kaufmännischer Geist und finanzielles Desaster

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