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Hamas-Propaganda : Die Märtyrer standen bereit

  • -Aktualisiert am

Propagandaposter der Hamas: Hatte die „Freiheitsflotte” ihre Märtyer an Bord? Bild: Freedom flotilla 2010

Die Eskalation auf den Booten der „Freiheitsflotte“ war kein Zufall. Die Hamas war bestens vorbereitet. Ihre Propaganda setzte im Nu ein. Für ihre Version eines zionistischen Massakers an wehrlosen humanitären Helfern muss sie manches unter den Tisch kehren.

          Die Bilder vom israelischen Kommandoeinsatz gegen die „Mavi Marmara“ waren kaum um die Welt gegangen, da hatte die arabischsprachige Internetseite der Hamas schon einen neuen Titelzug: Vor einem tiefschwarzen Nachthimmel, von dem große rote Tropfen fallen, segelt auf blutgetränktem Meer ein Schiff, das den Namen „Freiheitsflotte“ trägt. Die westliche Variante „Solidaritätsflotte“ muss den palästinensischen Islamisten wohl nicht kämpferisch genug geklungen haben. Sie hätte auch nicht mit ihrer seit längerem andauernden und von einer Website begleiteten Kampagne „Free Gaza“ harmoniert, deren Adresse sich übrigens nur durch den Ländercode „ps“ von jener der internationalen Aktivisten-Seite „freegaza.org.“ unterscheidet.

          Große grelle arabische Lettern vermitteln auf dem schwarzroten Titelbanner die Sicht der Hamas auf den blutigen Überfall: „Massaker an der Freiheit“. Links darunter prangt eine schwarzweiße Grafik mit einer schematischen - einseitigen, versteht sich - Darstellung des israelischen Kommandoangriffs und der englischsprachigen Aufforderung, die Passagiere der „Freiheitsflotte“ freizulassen.

          Inhaltlich und sprachlich sehr ausgefeilt

          Klickt man sie an, leitet sie weiter zu einer eigenen Domain, der „flotilla2010“. Für besonders solidarische Besucher stehen hier mehrere Poster mit entsprechenden Parolen zum Herunterladen bereit. Sie scheinen ebenso Produkt längerer Vorbereitung zu sein wie die Rubrik „Fotos“, die nach der Stürmung der Gaza-Flottille rasch mit Bildern von den Protesten im westlichen Ausland befüllt wurde.

          Zu Demonstrationen hatte denn auch nur wenige Stunden nach dem nächtlichen Militärangriff der stellvertretende Parlamentsvorsitzende der Hamas, Ahmad Baher, aufgerufen, und zwar in einer Rede, bei der man sich des Eindrucks kaum erwehren kann, auch sie sei, im Kern zumindest, von langer Hand vorbereitet. Nur ein einziges Mal versprach Baher sich beim Ablesen, oder vielmehr Rezitieren, seiner über acht Minuten langen Erklärung, die von beiden Satellitensendern der Hamas live übertragen wurde. Für eine spontane Presseerklärung mutet der Text inhaltlich wie sprachlich sehr ausgefeilt an - Baher führte sogar Bestimmungen des internationalen Seerechts mit den entsprechenden Paragraphen auf. Jedes Wort, jede Wendung war wohlüberlegt, der Adjektive, mit welchen die angebliche Vorsätzlichkeit des „Kriegsverbrechens des zionistischen Gebildes“ suggeriert wurde, waren reichlich.

          Die Ansprache schloss mit Siegesparolen: Gleichgültig wie viele der Aktivisten zu Märtyrern geworden seien oder von den Zionisten nun entführt würden - die „Freiheitsflotte“ werde, wie überhaupt das palästinensische Volk, siegen. Eine ähnliche Rhetorik verwendete am folgenden Tag Faiz Abu Schumala, der Leitartikler der Hamas-Zeitung „Felesteen“. In seinem Beitrag allerdings siegte nicht das gesamte palästinensische Volk, sondern nur Gaza, und zwar über die Fatah, die Rivalin aus der Westbank. Hier nämlich ging es um den innerpalästinensischen Medienkrieg, den die Hamas mit ihren beiden fast pausenlos live sendenden Fernsehkanälen gegen die Säkularen mit ihrem nur einen Sender wieder einmal gewonnen zu haben meint: Stunden habe es gedauert, triumphierte der Autor, bis der Fatah-Sender über den Angriff endlich zu berichten begann. Nun: Ähnlich wie in Israel war man dort offenbar, anders wohl als in Gaza, vom Ausgang des Kommandoangriffs doch ziemlich überrascht.

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