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Hackerszene : Chinas Krieg im Netz

Chinesische Hackerattacken auf Google gehören vielleicht bald der Vergangenheit an Bild: ddp

Die „Roten Hacker“ aus China verkünden in ihrem Manifest einen Strategiewechsel: der Cybersicherheit und Verteidigung Chinas kommt darin höchste Priorität zu.

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          Die „Roten Hacker“, eine der prominentesten Hacker-Organisationen Chinas, haben zu einem Strategiewechsel aufgerufen, der „weg vom Angriff hin zur Verteidigung, weg von der Zerstörung hin zum Aufbau“ führen soll. Die „Roten Hacker“ hatten sich Anfang des Jahrtausends zu einer Reihe von Angriffen auf amerikanische, taiwanische und japanische Websites bekannt; besondere Aufmerksamkeit erregte ihr Slogan „Nieder mit dem Imperialismus der Amerikaner“, der 2001 nach der Kollision eines amerikanischen mit einem chinesischen Kampfflugzeug auf der Website des Bürgermeisteramts von Philadelphia erschien. 2004 soll sich die Gruppe aufgelöst haben.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Nun verkündet sie in einem im Internet veröffentlichten Manifest ihre Neugründung unter gewandelten historischen Bedingungen. Chinas Lage sei heute dadurch gekennzeichnet, dass auf der einen Seite seine „Stellung in der Welt“ ungleich gefestigter sei als 2000, dass es auf der anderen Seite aber ungenügend für den globalen „Informationskrieg“ gerüstet sei, den nicht weiter spezifizierte „Unternehmen und Regierungen“ in vielen Ländern vorbereiteten. In dieser Situation gelte es, den „Patriotismus“, der schon immer den Geist der Organisation ausgemacht habe, für die Cybersicherheit einzusetzen. Die Gruppe werde fortan den fachlichen Nachwuchs ausbilden und außerdem „die richtigen Wertvorstellungen“ fördern.

          Lin Yong, der Gründer der Roten Hacker, fügt in einer persönlichen Erklärung an: „Das Chaos hat durch mich angefangen, und muss jetzt von mir beendet werden.“ Die idealistische Leidenschaft des ersten Aufbruchs sei schon nach wenigen Jahren aufgebraucht gewesen, und das Projekt habe sich dann in viele unterschiedliche Initiativen aufgesplittert, viele davon kommerzieller Art. Sein jetziges Verantwortungsbewusstsein resultiere nicht zuletzt daraus, dass er mittlerweile Buddhist geworden sei.

          Selbstdisziplin unter Hackern

          Lin Yong war laut Wikileaks-Veröffentlichungen in Depeschen des amerikanischen Außenministeriums 2009 namentlich verdächtigt worden, zusammen mit anderen Hackern vom Staat in Dienst genommen worden zu sein; allerdings war die Faktenbasis dieser Behauptung dünn. In den letzten Monaten häuften sich im Westen Spekulationen über die Verbindungen chinesische Hacker mit der Regierung. Das Sicherheitsunternehmen McAfee vermutete, dass ein großer Teil der von ihm untersuchten Cyber-Attacken auf Unternehmen und Organisationen seinen Ursprung in China hatte.

          Um diesen Eindruck zu verwischen, scheint nun der Druck chinesischer Behörden auf Individuen und Organisationen, die schon einen Ruf als antiwestliche Hacker haben, zuzunehmen. Vergangenen Monat war eine „Erklärung zur Selbstdisziplin“ im Internet veröffentlicht worden, in der sich zwei weitere Hacker-Pioniere, Gong Wei von der „Grünen Armee“ und Wan Tao von den „Chinesischen Adlern“, dagegen ausgesprochen hatten, dass Hacker ihre Expertise für kriminelle Aktivitäten nutzen. Ob sich die nicht zu übersehende Vielzahl der heute kaum mehr öffentlich organisierten Hacker in China durch solche Appelle beeinflussen lässt, ist jedoch fraglich.

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