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Haager Konferenz : Das Abendland will seine Erweiterung

  • -Aktualisiert am

„Genau das ist es, ein Sprung ins Unbekannte”: Robert Schuman, einer der Gründerväter der Europäischen Union Bild: dpa

Was sollte aus Europa werden? Ein Staatenbund? Die Vereinigten Staaten von Europa? Die Staatsmänner, die 1948 zur Haager Konferenz zusammenkamen, hatten unklare Vorstellungen, aber einen großen Wille zur Universalität. Damit legten sie den Grundstein der Europäischen Union.

          Brausender Applaus dankte dem Redner. Hendrik Brugmans, der leidenschaftliche Föderalist, hatte die Spannung auf den Punkt gebracht, die die Atmosphäre im Rittersaal des niederländischen Parlaments fast hörbar knistern ließ: „L’Europe, c’est la civilisation des non-conformistes!“ Kultivierter Nonkonformismus hielt sie tatsächlich zusammen, die mehr als achthundert Delegierten, die vom 7. bis 11. Mai 1948 am Haager Kongress teilnahmen, um über die künftige Gestalt Europas zu beraten. Um Einheit sollte es gehen. Aber was das ist und wie man es erreicht – darüber teilten sich unter Politikern und Intellektuellen, Gewerkschaftsfunktionären und Wirtschaftsbossen die Meinungen. Ein Staatenbund? Eine Föderation? „Vereinigte Staaten von Europa“?

          Die Idee einer europäischen Union erlebte in den unmittelbaren Nachkriegsjahren eine kraftvolle Renaissance. Überall in Westeuropa entfalteten Vereine, Initiativen und sektiererische Grüppchen politische Aktivität. „Europa“ sollte nicht nur wirtschaftliche Prosperität und eine Überwindung des Zivilisationsbruchs ermöglichen, sondern angesichts des Blockkonflikts auch einen „dritten Weg“ eröffnen zwischen kommunistischer Dominanz und amerikanischer Vereinnahmung. Darum jedenfalls ging es den „Föderalisten“, die wohl die größte Gruppe unter den Europabewegten bildeten und sich um die Mobilisierung breiter Massen für einen Akt der Verfassungsgebung mühten – mit dem Ziel der „Verschweizerung“ Europas, wie es Denis de Rougemont formulierte.

          Ein gewisser Adenauer

          Auf zwischenstaatliche Zusammenarbeit unter Führung nationaler Eliten setzte hingegen das „United Europe Movement“, dem Churchill 1946 in Zürich einen Schub gegeben hatte. Dem Kommunismus sollte ein europäischer „Commonwealth“ entgegengesetzt werden – ein Projekt, für das bei Abkühlung der politischen Großwetterlage mit amerikanischer Unterstützung gerechnet werden konnte.

          Im Sommer 1947 rauften sich Föderalisten und Unionisten zusammen und gründeten einen Vorbereitungsausschuss, dem sich auch Coudenhove-Kalergis Parlamentarische Union anschloss, während die Sozialisten auf Distanz blieben. Der Haager Kongress sollte ein Forum zur offenen Auseinandersetzung bieten, ohne ein politisches Lager zu bevorzugen. Alle Fäden der Vorberreitung liefen bei Churchills Schwiegersohn Duncan Sandys zusammen. Der konservative Abgeordnete betrieb geschickte Einladungspolitik, die einen illustren Kreis in den Haag brachte – auch wenn Jean Monnet in seinen Memoiren bekennt, dass er manchen Teilnehmer nicht kannte, wie „einen gewissen Konrad Adenauer oder einen Professor aus Frankfurt, Walter Hallstein“.

          Kein Vorposten, kein Anhängsel

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