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Guttenbergs zweite Promotion : Eine Übung in Buße

  • -Aktualisiert am

Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg Bild: dpa

Guttenberg hat abermals promoviert, doch begleitet von ungewöhnlichen Umständen: Wen die menschliche Komödie einmal als eine ihrer Figuren erkannt hat, den scheint sie nicht wieder loszulassen.

          2 Min.

          Die menschliche Komödie hört nie auf. Eines ihrer erzählerischen Verfahren ist der unerwartete Wiederauftritt derselben Personen. Unerwartet heißt dabei zumeist: in anderem Kontext. Verbrecher sind auf einmal Polizeikommissare, das käufliche Mädchen hat es zur Herzogin gebracht, der Pfarrer zeigt sich als Spion. Es gibt aber auch unerwartete Wiederauftritte im selben Kontext. Das dokumentiert die Meldung, Karl-Theodor zu Guttenberg habe in einem Interview mitgeteilt, er sei zum zweiten Mal promoviert worden. Den berühmtesten Plagiator der jüngeren deutschen Universitätsgeschichte hatte 2011 sein selbstgeschriebenes oder – unsere Vermutung angesichts faszinierender Fußnotentechnik – von wahren Virtuosen verfasstes Supermachwerk das Amt des Verteidigungsministers samt der politischen Karriere gekostet.

          Als ob daraufhin nur eine Bußübung ermöglichte, mit sich ins Reine zu kommen, nahm Guttenberg offenbar jene wissenschaftlichen Mühen auf sich, die er zuvor gescheut hatte. An der renommierten Universität von Southampton legte er 2018 eine Dissertation zu Korrespondenzbanken als Institutionen des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs vor: von Mesopotamien bis zum Ende des siebzehnten Jahrhunderts. Trotz ihrer Hinweise auf heutige Währungsräume und deren Regulation ist das auf den ersten Blick kein glamouröses Gebiet: Kreditschöpfungsgeschichte.

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