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Urheberrecht in „Second Life“ : Gutes Recht im Internet

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Das könnte teuer werden: Auch für diesen Matisse in Second Life müssten die Urheberrechte geklärt werden. Bild: Second Life

Die Internetplattform „Second Life“ gilt als eine Welt ohne Barrieren. Doch auch hier unterliegt die Reproduktion von Kunstwerken dem Urheberrecht. Wer Abbildungen aus dem ersten ins zweite Leben hochlädt, muss erst die urrheberrechtlichen Nutzungsrechte beim Künstler einholen.

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          Digitale Reproduktionen von Kunstwerken sind ein Milliardenmarkt - nicht nur für Werke der Gegenwartskunst. Auch digitale Abbildungen von Werken Alter Meister und anderer Künstler, deren Werke keinen Schutz mehr genießen, sind ein begehrtes Gut. Digitale Bildagenturen wie Corbis oder Getty Images haben sich durch Verträge mit dem Louvre und anderen Museen wie der Londoner National Gallery den Zugriff auf zahlreiche Meisterwerke gesichert. Auch deutsche Museen wie die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und das Städel in Frankfurt vermarkten ihre Bestände online mit Hilfe von Bildagenturen.

          Nicht ganz uneigennützig, sind sie doch am Umsatz, der mit der Lizenzierung der Abbildungen erzielt wird, meist prozentual beteiligt. Dabei sind viele der so vermarkteten Bilder eigentlich „gemeinfrei“, das heißt, sie dürfen prinzipiell von jedermann vervielfältigt werden. Denn die urheberrechtlichen Verwertungs- und Nutzungsrechte erlöschen grundsätzlich siebzig Jahre „post mortem auctoris“, nach dem Ableben des Künstlers also. Werke von Künstlern wie beispielsweise Max Liebermann († 1935) wären demnach prinzipiell ohne weiteres nutzbar. Soweit zur Theorie.

          Die Vielfalt der Urheberrechte

          In der Praxis ist es nicht so einfach, an eine reproduktionsfähige Abbildung zu gelangen. Viele Museen untersagen ihren Besuchern das Fotografieren der Exponate und stützen sich dabei auf ihr Hausrecht. Die Erstellung von hochwertigen Abbildungen bleibt in der Regeln den jeweiligen „Hausfotografen“ vorbehalten, die Verwertung derselben den Museen oder den von ihnen beauftragten Agenturen. Diese durchaus umstrittene Praxis hat dazu geführt, dass sich die Kosten für die Verwender wie Kunstverlage beträchtlich erhöht haben. Die Agenturen verlangen je nach Art und Intensität der Nutzung gestaffelte Lizenzgebühren. Handelt es sich um urheberrechtlich geschützte Werke zeitgenössischer Künstler, sind vorab die Nutzungsrechte beim Künstler oder der VG Bild-Kunst einzuholen. Daneben werden zum Teil auch noch Lizenzgebühren für den Fotografen fällig, der das Bild erstellt hat.

          Verwendung finden digitale Abbildungen aber nicht nur in Printmedien, sondern - vor allem - im Internet. Als „globales“ Medium, dessen Inhalte von überall auf der Welt abgerufen werden können, wirft das Internet natürlich auch grenzüberschreitende urheberrechtliche Fragen auf. Da es kein „internationales“ Urheberrecht gibt, jeder Künstler vielmehr über viele „kleine“ nationale Urheberrechte verfügt, stellt sich die Frage, wie und von wem diese Rechte effektiv wahrgenommen und lizenziert werden können.

          Nicht jedes Bild bedarf einer Lizenz

          Die urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften haben diese Problematik erkannt und sich auf internationaler Ebene zusammengeschlossen. „OnLineArt“ ist der Name der Gesellschaft mit Sitz in Brüssel, die im Frühjahr 2002 von acht europäischen Verwertungsgesellschaften (einschließlich der Schweizer Gesellschaft Pro Litteris) sowie einer Verwertungsgesellschaft aus den Vereinigten Staaten gegründet wurde und mittlerweile bereits dreizehn Mitglieder zählt. Den Bedürfnissen des digitalen Zeitalters entsprechend bietet OnLineArt als „one-stop-shop“ Nutzern, die auf ihren Websites geschützte Werke darbieten wollen, die Möglichkeit, die hierfür erforderlichen Nutzungsrechte zu erwerben. Die Rechte von mehr als 30.000 Künstlern sollen auf diesem Wege bereits erhältlich sein, darunter Lizenzen von Malern wie Miró oder Munch, Bildhauern, aber auch Fotografen. Die Höhe der Lizenzgebühren ist gestaffelt und hängt unter anderem von der Intensität der Nutzung („paged viewed per month“) und der Verwendung der Bilder, zu Bildungs- oder zu Werbezwecken ab. Galerien erhalten in der Regel einen Rabatt.

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