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Gute Taten : „No woman, no cry“ - Bob Marleys Getto-Hof erwacht zu neuem Leben

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Rastafari Stoneman vor dem ehemaligen VW-Bus der Wailers Bild: dpa

Der Hinterhof in Trench Town, in dem Reggae-Legende Bob Marley die meiste Zeit lebte, verfällt nahezu unbeachtet. Das soll jetzt anders werden.

          Es war einer der am häufigsten missverstandenen Texte in der Geschichte der Popmusik: „No woman, no cry“, sang einst Bob Marley, und viele Frauen nahmen das dem Reggae-König übel. Doch was oft im Schulenglisch schlicht mit „Keine Frau, kein Geheul“ übersetzt wird, heißt im Slang der Getto-Bewohner der jamaikanischen Hauptstadt Kingston so viel wie „Nein Mädchen, weine nicht“. Marleys Mentor, Vincent „Tata“ Ford, war es, der vor bald 30 Jahren die zu Unrecht als frauenfeindlich gescholtene Weise in einem Hof im Stadtteil Trench Town für seine nach einem Ehekrach weinende Nachbarin zum ersten Male anstimmte.

          Den Hof, in dem der Welthit entstand - den „Government Yard in Trench Town“, wie er im Lied heißt - gibt es noch. An der Zufahrt halten auf einer kleinen Veranda einige Rastafaris Wacht, in einer Ecke des Hofes steht das Wrack des VW-Busses, mit dem Marleys Gruppe „The Wailers“ durch Jamaika tourte. Schon bald sollen in den leer stehenden einstöckigen Häusern, wo die Wolldecke auf Bob Marleys „Single Bed“ in der Tropenschwüle schimmelt, ein Museum, ein Andenkenladen und eine kleine Bar entstehen. In unmittelbarer Nachbarschaft sollen ein Restaurant und Gästezimmer Touristen locken. Mit deren Geldern will eine Bürgerinitiative dann weitere Sozial-Projekte in Trench Town finanzieren.

          Gedenkort im sozialen Brennpunkt

          Treibende Kraft des Projekts „Culture Yard“ (Kulturhof), das von Deutschland mit rund 9.000 Euro gefördert wird, ist die Franziskanerin Grace Yap. „Viele Leute, die in Trench Town aufgewachsen sind, sind weltberühmt geworden, wie Bob Marley, Peter Tosh oder Bunny Wailer“, erzählt die Nonne. Trench Town, benannt nach einem Oberst namens Trench, war in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts von der Regierung als Wohnviertel für arme Zuwanderer vom Lande aufgebaut worden. Es gilt als Wiege des Reggae und seines Vorläufers, des Ska. Wie alle Slums in Kingston leidet aber auch Trench Town unter Gewalt. Wenn Bandenkriege toben, müssen sich die Leute in ihre Häuser verkriechen.

          Für Fans war deshalb bisher das Bob-Marley-Museum im vornehmen Stadtteil New Kingston erste Adresse. Diese Villa aus dem 19. Jahrhundert erwarb Marley aber erst 1975 als Wohnhaus, also knapp sechs Jahre vor seinem Krebstod. Prägender war für den in Nine Miles im ländlichen Bezirk St. Ann als Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters geborenen Robert Nesta Marley die Zeit in Trench Town, wohin er als Kind mit seiner Mutter gezogen war.

          „Marley-Baum“ und „Marley-Bus“

          „Ich erinnere mich noch, wie er immer daherkam und sagte 'everything's gonna be all right' (alles wird gut)“, erzählt dort die 40-jährige Dorreth Campbell, die bei dem Projekt zur Revitalisierung des „Government Yard“ mitarbeitet. Ein Rastafari, der auf den Namen „Stoneman“ hört und die „natural mystic“ der Steine zu lesen weiß, führt Besucher zu dem Mango-Baum, unter dem die Hof-Bewohner früher mit Bob das Lied „One Love“ anstimmten.

          Noch liegen „Marley-Bus“ und „Marley-Baum“ fern der Touristenrouten, die durch die vermeintlich sichereren Teile Kingstons führen. Doch Ordensschwester Grace ist optimistisch. „Wir hoffen, dass wir bald mit den Einnahmen aus dem Kulturhof eine Klinik bauen können“, sagt sie.

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