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Grüner Wirtschaftsliberalismus : Liegt die Zukunft der Grünen in einem neuen Liberalismus?

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Heißt das, dass für liberale Ideen in einer ökologisch orientierten Wirtschaftspolitik gar kein Platz ist? Keineswegs. Bestimmte Handlungsfelder drängen sich auf: Die bessere Förderung von Existenzgründern gehört ebenso dazu wie ein schärferes Vorgehen gegen monopolistische Marktstrukturen und zu hohe Kapitalkonzentration, die Wiederindienstnahme des Bankensektors für die Realwirtschaft ebenso wie ein neues Unternehmensrecht, das Familienunternehmen, Stiftungsunternehmen oder Genossenschaften gegenüber den großen Kapitalgesellschaften nicht länger benachteiligt. Diese Reihe lässt sich fortsetzen, bis hin zur dringend notwendigen Vereinfachung des Steuerrechts, das in seiner heutigen Form gerade Freiberufler und Kreative drangsaliert.

Aktivitäten „von unten“

Am interessantesten für ein ökologisch-libertäres Projekt in Sachen Wirtschaftspolitik ist jedoch etwas anderes: Die allerorten sprießenden Aktivitäten, die heute in ganz Europa unter Überschriften wie „Sharing Economy“, „Repair Economy“, „Do it yourself & Do it together“, „Collaborative Consumption“, „Commoning“, „Social Banking“ oder „Transition Towns“ stattfinden, haben das Zeug dazu, unsere Gesellschaft „nachhaltig“ zu verändern, auch wenn sie noch in den Kinderschuhen stecken und keineswegs frei von inneren Widersprüchen sind. Es geht dabei fast immer um sozial-ökologisch motivierte Menschen, die sich aus freien Stücken zu freien Gemeinschaften zusammenschließen, um etwas zu erreichen, neue soziale Praxis einzuüben und auf eine neue Art zu wirtschaften.

Das Libertäre an diesen Projekten ist, dass sie „von unten“ wachsen, von autonomen Menschen vorangetrieben werden und sich jenseits der klassischen Staat-Markt-Dichotomie entwickeln. Und das Ökologische an ihnen ist, dass sich durch kooperatives Handeln der Ressourcenverbrauch senken, der Wachstumszwang abbauen und die Resilienz (gegenüber externen Schocks wie Klima-, Energie- oder Finanzkrisen) erhöhen lässt. In einem solchen Ansatz liegen für die Nachhaltigkeit weltweit wahrscheinlich größere Potentiale als im Propagieren ewig währenden grünen Wachstums.

Wenn die Grünen sich wirklich daranmachen, freiheitliche Projekte wie die ökologische Finanzreform, das Grundeinkommen, verantwortungsorientierte Bürgerbeteiligung und die Förderung neuer Gemeinschaftsformen des Wirtschaftens systematisch anzugehen, hat das überdies zwei positive Nebeneffekte: Die große Koalition mit ihrem Hang zu Etatismus, Korporatismus und „großen Lösungen“ kommt unter Rechtfertigungszwang und muss erklären, warum sie sich eigentlich jenseits von Staat und Markt so wenig vorstellen kann. Und der Wettbewerb um die besten freiheitlichen Ideen zwischen Grünen, FDP und anderen Parteien ist für das Gemeinwesen und die öffentlichen Haushalte sicher auch nicht das Schlechteste. Jedenfalls ist er besser als das Balgen darum, wer die größte Geschenktüte für alle hat.

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