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Russische Kirche : Das alte Rom ist das neue Moskau

Von Moskau abgenabelt: Gläubige in Kiew. Bild: dpa

Schlimmer als zu Sowjetzeiten? Nach der Gründung einer eigenständigen orthodoxen Kirche in der Ukraine warnen moskautreue Geistliche und Medien vor einer neuen Christenverfolgung – mit abwegigen Vergleichen.

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          Der orthodoxe Priester am Telefon ist besorgt und empört. In seinem Dorf nördlich von Kiew, sagt Vater Dmitri, gebe es ein einziges Gotteshaus. Das könne man nicht teilen. „Wir beten zum Herrn, dass er die Abspalter wieder auf den richtigen Weg zurückführt. Denn bei diesem Kirchenstreit geht es doch in Wirklichkeit nur darum, wer die Macht hat im Land.“

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Der Kirchenstreit, damit meint der Priester die Gründung der eigenständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine im Januar. Für ihn sind diese neuen Orthodoxen „Abspalter“, denn er selbst steht auf der Seite des Althergebrachten: Er gehört in der Ukraine zu jener orthodoxen Kirche, die vor gut dreihundert Jahren dem russischen Patriarchat untergeordnet wurde. In ihren Gotteshäusern betet man im Gottesdienst für den Moskauer Patriarchen Kyrill I. Die neue Kirche erkennt man nicht an, „es gibt keine Abendmahlsgemeinschaft, kirchenrechtlich erkennen wir deren Taufen und Trauungen auch nicht an.“ Jetzt, erzählt Vater Dmitri, „üben die Behörden starken Druck auf uns aus. Es gab Fälle, wo unsere Kirchengebäude von den Abspaltern gekapert wurden. Es ist wie in der Sowjetunion!“

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