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Ground Zero : Zwei Wasserbecken erinnern an die Opfer

  • -Aktualisiert am

Das will die Jury: „Reflecting Absence” Bild: REUTERS

Zwei Wasserbecken als Fußspuren der Zwillingstürme sollen künftig an die Opfer von Ground Zero erinnern. Ein Geniestreich ist der Mahnmals-Entwurf des jungen Architekten Michael Arad nicht.

          Als 1981 bekannt wurde, wer den Wettbewerb für das "Vietnam Veterans Memorial" in Washington gewonnen habe, fragten selbst hartgesottene Kritiker zweimal nach: Wer in aller Welt ist Maya Lin? Niemand kannte die damals einundzwanzigjährige Architekturstudentin, die noch nie ein Bauwerk realisiert hatte, geschweige denn ein politisch hochsensibles Mahnmal. Gleichwohl gilt Maya Lins minimalistische Gedenkstätte heute zu Recht als eines der eindrucksvollsten Denkmale der neueren Zeit: eine moderne amerikanische Klagemauer, eine steinerne Inschriftenrolle, die die Namen all der jungen Männer verzeichnet, die für eine ebenso verstörende wie zweifelhafte Sache ihr Leben lassen mußten.

          Dieser enorme Erfolg hat die "Vietnam Wall" zum natürlichen Vorbild für das geplante Mahnmal an Ground Zero in New York gemacht, das für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 errichtet werden soll. Selbstverständlich wurde Maya Lin in die Wettbewerbsjury berufen, die seit dem vergangenen Sommer unter mehr als fünftausend Einsendungen aus aller Welt den Vorschlag suchte, der das Unbegreifliche in Stein fassen soll. Der Grundgedanke des Washingtoner Entwurfs, den Namen jedes einzelnen Opfers zu verewigen, im Nebeneinander der unzähligen Namen aber das Monströse des massenhaften Sterbens zu verdeutlichen, wurde in New York sogar zur Vorgabe für alle Wettbewerbsteilnehmer.

          Die Abwesenheit spiegeln

          Als am Dienstag nachmittag mitgeteilt wurde, wer das Denkmal auf dem Gelände des zerstörten World Trade Center bauen soll, da schien sich die Geschichte vollends zu wiederholen: Unter zuletzt acht favorisierten Entwürfen, die der Öffentlichkeit bereits Mitte November präsentiert worden waren, hat die dreizehnköpfige Jury eine Arbeit mit dem Titel "Reflecting Absence", zu deutsch etwa "Die Abwesenheit spiegeln", ausgewählt. Eingereicht hat sie ein völlig unbekannter, einunddreißig Jahre alter Architekt namens Michael Arad, der bislang in der New Yorker Baubehörde beschäftigt ist und zuletzt an Plänen für zwei neue Polizeistationen mitgearbeitet hat. Wieder, wie in Washington, ein Nachwuchsdesigner also und wieder großes Erstaunen bei den Beobachtern.

          Damit aber enden die Parallelen. Michael Arad ist nicht Maya Lin - und es fällt einstweilen schwer zu glauben, sein Vorschlag werde dereinst so gelobt werden wie das Vietnam Veterans Memorial.

          Kein Geniestreich

          Vorerst jedenfalls läuft niemand Gefahr, über Arads Konzept in Verzückung zu geraten. Es ist kein Geniestreich, kein Wunderwerk, es verheißt nichts Sensationelles. Der junge Architekt hat etwas Naheliegendes getan. Er hat die beiden Quadrate, über denen sich die Türme erhoben, ihre sogenannten "Fußabdrücke", in eine Negativform verwandelt, in zwei Wasserbecken zehn Meter unter Straßenniveau. Über Rampen können die Besucher von der Platzebene hinabsteigen zu diesen spiegelnden Teichen, die von hüfthohen, breiten Mäuerchen gefaßt werden, auf denen die Namen der dreitausend Toten verzeichnet stehen. Allerlei Grotten, Gänge und Katakomben verbinden die beiden Becken; lauter unterirdische Räume, in die sich die Familien der Opfer zurückziehen können, in denen, wer mag, Kerzen entzünden kann und die zudem Platz bieten für die Aufbewahrung der verkohlten, zersplitterten, bizarr verformten Reste, die aus dem Schutt des World Trade Center geborgen werden konnten.

          Am auffälligsten an Arads Entwurf ist vielleicht seine Zurückhaltung. Erstaunlich sicher meidet er überschwenglichen Patriotismus und widersteht auch der Versuchung, sich selbstmitleidig an der Katastrophe zu weiden. Er stellt nicht den Schrecken aus, überhöht nicht das Destruktive, sondern schafft einen Ort der Trauer und der Besinnung.

          Einem breiten Publikum verständlich

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