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Ground Zero : Libeskinds Meister: David Childs

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Wer ist der Boß? Childs (links) lauscht Libeskind Bild: AP

Ein versierter Pragmatiker ist Daniel Libeskind als Architekt für die Neubebauung von Ground Zero vor die Nase gesetzt worden. David Childs bestimmt, was von Libeskinds kühnen Plänen noch verwirklicht wird.

          Sein Name ist nur wenigen geläufig, aber seine Arbeit steht in New York vor aller Augen. David Childs, Seniorpartner der Architekturfabrik Skidmore, Owings & Merrill, sitzt derzeit an vier Aufträgen, die das Gesicht Manhattans prägen werden. Von Childs stammen die Pläne für die neue Penn Station, eine neue Börse sowie der fast vollendete Doppelturm für AOL Time Warner am Columbus Circle; ein Entwurf, der Investoren jubilieren und Kritiker erschaudern läßt. Berühmt aber wird der zweiundsechzig Jahre alte Childs als der Mann werden, der Daniel Libeskind als Chefarchitekt von Ground Zero abgelöst hat. Libeskind bleibt dem Projekt zwar in einer etwas nebligen Rolle als artistischer Oberspielleiter und Metaphernproduzent erhalten, doch was immer an Stelle des zerstörten World Trade Center entsteht, wird von Childs Zeichentisch stammen.

          Nur der Lageplan und die Maße des 1776 Fuß hohen "Freedom Tower" bleiben von Libeskinds Masterplan, die Gestaltung und Detaillierung hingegen besorgt Childs. Er ist der Auserwählte des Immobilienmoguls Larry Silverstein, ehedem Pächter des World Trade Center, an dem beim Wiederaufbau niemand vorbeikommt. Sechs Wochen vor dem Anschlag hatte Childs Firma von Silverstein den Auftrag für eine Sanierung der Zwillingstürme erhalten. Am 12. September sollten erste Pläne präsentiert werden. Und schon am 13. September, als alle Welt noch unter Schock stand, trafen sich Silverstein und Childs, um zu beraten, was nach dem Einsturz der Wolkenkratzer zu tun sei.

          Versierter Pragmatiker

          Diese professionelle Geistesgegenwart ist vielleicht Childs wichtigste Charaktereigenschaft. Er ist der versierte Pragmatiker, ohne den ein Milliardenvorhaben wie das in Lower Manhattan nicht auskommt. Nur einem wie ihm vertrauen die Developer die Unsummen an, die der Wiederaufbau verschlingen wird. Und es ist dieses Vertrauen, gepaart mit diplomatischer Raffinesse, viel Erfahrung und glänzenden Kontakten, das Childs im Ringen mit Libeskind hat obsiegen lassen.

          Nicht einmal der hochgewachsene Yale-Absolvent selbst würde wohl für sich in Anspruch nehmen, ein begnadeter Entwerfer oder anregender Theoretiker zu sein. Seine Bauten sind glatt, gefällig und übersehbar. Sie lassen sich keiner Schule, keinem architektonischen Lager zuordnen. Als sein Vorbild nennt Childs den eleganten Modernisten Eero Saarinen, und zwar gerade deshalb, weil dessen Bauten ohne stilistisches Markenzeichen ausgekommen seien. Childs Kritiker werfen ihm denn auch vor, er orientiere seine Entwürfe am Banalgeschmack renditefixierter Auftraggeber. Der New Yorker Architekt Peter Eisenman, ein Freund von David Childs, hingegen meint, der SOM-Chefdesigner sei ein Zerrissener, ein Hamlet unserer Tage. Childs wolle durchaus eine unverwechselbare Handschrift entwickeln, aber ihm fehle der Mut, sich dafür aus den ökonomischen Zwängen der Riesenmaschinerie Skidmore, Owings & Merrill zu befreien.

          In den nächsten Tagen wird Childs seinen Entwurf für den "Freedom Tower", das Herzstück des neuen Ground Zero, vorstellen. Es ist die Chance seines Lebens. Überraschungen freilich sind kaum zu erwarten.

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