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Große Oper : Wim und Wagner

  • -Aktualisiert am

Nicht wenige Kinoregisseure sind an der Kunstform Oper schon gescheitert. Das ficht, scheint es, Wim Wenders nicht an. Er soll in Bayreuth den nächsten „Ring“ in Szene setzen. Für das Kino geht damit eine Geschichte zu Ende - der Neue Deutsche Film hat ausgehaucht.

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          Was bedeutet es, dass Wim Wenders – noch ist die Meldung nicht endgültig bestätigt, aber alles deutet darauf hin – in Bayreuth den „Ring des Nibelungen“ inszenieren will? Krönt solch ein Filmregisseur seine Laufbahn mit Wagners Musikdramen? Oder stellt die Lockung der Maintöchter auf dem Grünen Hügel ein Angebot dar, das man, das er nicht ausschlagen kann?

          Seit die Verhandlungen zwischen den Wagner-Enkelinnen und Wenders publik wurden, zählen Kommentatoren mahnend die Namen von Regisseuren auf, die an der Kunstform Oper mehr oder minder gescheitert sind: Schlöndorff, Herzog, Schröter, Haneke, Szábo, Friedkin, Doris Dörrie, Bernd Eichinger. Weniger wichtig scheint die Frage, was dem Deutschen Film womöglich verlorengeht, falls Wenders die Bayreuther Offerte annimmt.

          Aber gerade darin könnte das Zeitzeichen dieses Engagements liegen. Denn mit der Oper, ihren Arien und Göttern, ihrem Gefühls- und Kulissenzauber hatte das Kino des Wim Wenders, als es jung war, nichts am Hut. Es ist wahr, auch in Wenders’ Filmen wird gesungen, etwa in „Der Stand der Dinge“, wo Sam Fuller ironisch vor sich hin brummt: „Hollywood, Hollywood, never been a place where people had it so good.“

          Die große Menscheitserzählung stemmen

          Mit „Buena Vista Social Club“ und dem BAP-Filmporträt „Viel passiert“ hat der deutsche Regisseur zudem zwei abendfüllende Musikdokumentationen gedreht; seine Hommage an die Choreographin Pina Bausch läuft im Februar auf der Berlinale.

          Aber mit Wagners Germanensaga hat das alles so wenig zu tun wie Hammetts Colt mit Siegfrieds Keule. Dass der Mythomane Schlingensief in Bayreuth inszenierte, war nur konsequent; dass aber der Erfinder einsamer Männer- und trostsuchender Frauengestalten, der Meister von „Paris, Texas“ und „Im Lauf der Zeit“, nun seine Phantasie in der Halle der Gibichungen begräbt, ist eine Art Abschied.

          Seit langem spricht Wenders schon von der großen epischen Form, der neuen Menschheitserzählung, die er auf der Leinwand schaffen will, und mit dem Dreistundenwerk „Bis ans Ende der Welt“ hat er sich auch, wenngleich mit geringem Erfolg, daran versucht. Vielleicht wird der „Ring“ jetzt sein zweiter Anlauf zu diesem Projekt. Im Kino jedenfalls geht damit eine Geschichte zu Ende. Der Neue Deutsche Film hat ausgehaucht, sein Grab liegt auf dem Grünen Hügel.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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