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Fund in Großbritannien : Eisenbahn durch die Römerstadt

Weggeworfen oder planvoll deponiert? Die römerzeitliche Holzfigur, von vorn und von der Seite. Bild: HS2

Normalerweise ist so etwas schnell verrottet: In England kam beim Bau einer Bahnschnellstrecke eine seltene Holzfigur aus der frühen Römerzeit ans Licht.

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          Zunächst glaubten Archäologen im Juli vergangenen Jahres bloß, auf ein abgewetztes Stück Holz gestoßen zu sein. Dann erkannten sie in dem wassergetränkten Graben eine geschnitzte menschliche Figur, die inzwischen als wichtiger Fund aus der frühen romano-britischen Zeit identifiziert worden ist. Je länger man die siebenundsechzig Zentimeter hohe, achtzehn Zentimeter breite Skulptur betrachtet, desto mehr zeigt sie. Auf dem leicht nach links gewandten Kopf ist Haar oder eine Kopfbedeckung auszumachen, sogar die Nase und Augenhöhlen. Die Figur trägt ein oberhalb der Knie endendes, einer Tunika ähnelndes Gewand. Tonscherben, die im selben Graben lagen, werden auf die Zeit zwischen den Jahren 43 und 70 nach Christus datiert. Ob die Holzfigur aus der gleichen Zeit stammt, soll eine Kohlenstoffanalyse eines Fragments erweisen.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Den Vermutungen der Archäologen zufolge könne es sich eher um eine absichtlich begrabene Opfergabe als um ein weggeworfenes Objekt handeln. Bedeutend ist der Fund aus der Gegend von Twyford in Buckinghamshire, rund sechzig Kilometer westlich von London, auch, weil Kunstwerke dieses Alters aus organischem Material nur selten auf uns kommen. In diesem Fall hat sich das Holz wegen des Mangels an Sauerstoff in der feuchten Erde erhalten. Seit der Auffindung des „Dagenham Idols“ vor hundert Jahren am Nordufer der Themse, einer anthropomorphen Holzfigur aus der späten Jungsteinzeit, sei nichts Vergleichbares entdeckt worden.

          Die Figur gehört zu den zahlreichen Funden, die seit 2018 im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Eisenbahnschnellstrecke zwischen London und Birmingham ans Licht gekommen sind. Erst vor wenigen Tagen wurde die Freilegung einer verschwundenen römischen Handelsstadt mit einer zehn Meter breiten Straße auf dem Gelände eines ehemaligen Rieselfeldes in der Nähe des mittelenglischen Leicester bekannt. Brunnen, Werkstätten, Brennöfen und Gießerein deuten ebenso wie mehr als dreihundert über das Areal verstreute römische Münzen, Glas- und Tongefäße und Schmuckstücke auf eine rege Handelstätigkeit.

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