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Groschenheft „Der Landser“ : Vom Holocaust kein Wort

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Das Simon Wiesenthal Center aus New York fordert ein Verbot der Groschenheftreihe „Der Landser“. Die Zeitschrift verharmlose den Nationalsozialismus, heißt es in einem Brief an die deutschen Ministerien.

          In jeder Bahnhofsbuchhandlung findet man sie: die Abteilung für Kriegsenthusiasten. Bildbände zum deutschen Panzer von 1939 bis 1945 oder triviale Groschenromanreihen wie „Der Landser“. Wenn es nach dem Simon Wiesenthal Center in New York geht, soll Letztere nun aus den Regalen verschwinden. Die Organisation wirft dem Heft vor, den Nationalsozialismus und dessen Verbrechen zu verharmlosen. Grundlage hierfür ist eine im Auftrag des Wiesenthal Center erschienene Untersuchung von Stefan Klemp, einem deutschen Historiker und Journalisten.

          „Der Landser“ erzählt seit 1957 Geschichten deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg; „Tod an der Reichsgrenze“ heißt die aktuelle Ausgabe. Die Reihe erscheint im Pabel Moewig Verlag, der zur Bauer Media Group gehört. In einer Stellungnahme des Verlages heißt es lediglich, alle Publikationen der Bauer Media Group stünden im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen, und man lege größten Wert darauf, dass im „Landser“ weder der Nationalsozialismus verherrlicht noch Naziverbrechen verharmlost werden.

          Die politische Dimension wird unterschlagen

          In seinem Bericht weist Klemp jedoch nach, dass es sich um weit mehr als harmlose Abenteuergeschichten von der Front handelt. Durch gezielte Dekontextualisierung werde versucht, die Legende einer sauberen Wehrmacht hochzuhalten - als das letzte Residuum alter Ritterlichkeit, als moralisches Naturschutzgebiet. „Der Krieg erscheint als Summe der Handlungen kleiner Gruppen an der Front. Grund, Zweck und Sinn des Zweiten Weltkrieges bleiben ungenannt; das Leiden wird verschwiegen und abgeschwächt“, schrieb bereits 1974 der Sozialwissenschaftler Klaus F. Geiger. Die Reihe fußt auf einer permanente Reduktion des Geschichtskomplexes auf Heeresleitungsbefehle, Kameradschaft und Feuergefechte. Vom Holocaust kein Wort.

          Wie Klemp zeigt, wird jedoch nicht nur die politische Dimension unterschlagen, sondern werden ferner auch historische Persönlichkeiten heroisiert. So werde beispielsweise der SS-Gruppenführer Hermann Fegelein als „Ritterkreuzträger der Waffen-SS“ in Szene gesetzt - Hinweise zu dessen Beteiligung an der Ermordung Tausender russischer Juden suche man vergeblich. Klemp hält fest, dass von insgesamt 29 historischen „Helden“ 24 nachweislich an Kriegsverbrechen beteiligt waren.

          Die Vernichtungspolitik des NS-Regimes wird im „Landser“ ausgeklammert, übrig bleiben vermeintliche Heldengeschichten von der Front. Genau das müsse jetzt unterbunden werden, meint Klemp, an dessen Bericht Briefe an das deutsche Innen- und Justiministerium angehängt sind mit der Aufforderung, rechtliche Schritte gegen den „Landser“-Verlag einzuleiten. Aus den Ministerien hieß es auf Anfrage dieser Zeitung, man nehme den Hinweis sehr ernst, könne aber erst nach Abschluss der Prüfung der Vorwürfe eine Antwort geben.

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