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Griechenland nach Hilfspaketen : Die Kraft reicht nicht einmal für Wut

  • -Aktualisiert am

Viele Griechen besitzen noch ein paar Olivenbäume auf dem Land – und werden in Zeiten der Not wieder zu nebenberuflichen Olivenbauern. Bild: Christian Burkert/laif

Heute läuft das dritte Hilfspaket der EU für Griechenland aus. Damit gilt das Land offiziell als gerettet. Doch für viele Menschen ist die Krise zu einem lähmenden Dauerzustand geworden. Ein Gastbeitrag.

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          Evangelia Terzoglou hat sich für Wirtschaft nie interessiert. Niemals hat sie daran geglaubt, dass ihr Heimatland eines Tages abstürzen und vor dem Bankrott stehen würde. Wenn sie jetzt die Nachrichten einschaltet, wird sie täglich überschüttet mit Begriffen, die sie vor der Krise nie gehört hat: Primärüberschuss, Direktinvestitionen, Leistungsbilanzdefizit. „Ich wusste nicht, wie Geld zirkuliert, woher es der Staat nimmt und was er dafür zahlt“, sagt sie. Als die Krise 2010 ihren Lauf nahm, konnte kein Bürger die Dimension des Desasters erahnen. Die Politiker verschwiegen den Ernst der Lage, beschwichtigten, versprachen das Blaue vom Himmel. „Die Ohren streicheln“ nennen das die Griechen. Wer hört schon gern die Wahrheit. Dann kam der Kollaps.

          Evangelia Terzoglou ist achtundfünfzig Jahre alt und noch immer energisch, zupackend. Sie lebt mit Ehemann Lukas und ihren zwei Söhnen in Kallithea, einem Stadtviertel Athens. Die vierköpfige Familie wohnt in einer Vierzimmerwohnung und zahlt vierhundert Euro Miete. Evangelia sitzt gerade vor dem Fernseher. Wieder einmal geht es um die Brandkatastrophe von Mati. Die Feuersbrunst ist ein weiteres Glied in der Kette der nationalen Wunden. „Ein Unheil folgt dem anderen“, sagt sie und schüttelt ungläubig den Kopf. Erst im vergangenen November starben bei Sturzfluten in der Stadt Mandra vierundzwanzig Menschen. Und jetzt Mati mit fast hundert Toten. „Als ob wir nicht schon genug zu tun hätten mit Arbeitslosigkeit und den ewigen Sparprogrammen.“

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