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Griechenland : Die europäische Simulation

Die „besonders ausgeklügelte“ Ökonomie dieses Videospiels ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, aber in den theoretischen Beiträgen von Varoufakis über „Team Fortress 2“ dann doch Bild: Team Fortress 2 / Valve

Wie sich Syriza und ihr Cheftheoretiker Giannis Varoufakis den Umbau des Kontinents vorstellen und warum sie so viel Wert auf die Verwendung des Worts „Simulation“ legen.

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          Wie aber soll Europa sein, wenn es nach Syriza ginge und nicht gemäß dem Regiment der „Institutionen“, deren Forderungen die griechische Regierung abzulehnen empfiehlt? In einem Text, den Giannis Varoufakis einmal für ein New Yorker Kunstmagazin geschrieben hat, bevor er Finanzminister wurde, nimmt er den Film „Die zwei Leben der Veronika“ des polnischen Regisseurs Krzystof Kieślowski als Folie. Die französisch-polnische Koproduktion erzählte 1990 die Geschichte einer Französin und einer Polin, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen und deren getrennte Schicksale auf eine etwas mystische Weise parallel verlaufen, bis dahin, dass, während die eine mitten in einem Konzert in Krakau stirbt, die andere in Paris von einer unerklärlichen Trauer überwältigt wird. Für Varoufakis symbolisiert das „die Solidarität und die kulturell-spirituelle Verbindung“, die in Europa, das gerade erst seine Teilung überwunden hatte, zwischen dem Westen, dem Osten und auch dem Süden bestanden habe.

          Mark Siemons
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Damals habe ein solcher Film aus Osteuropa einen perfekten Resonanzboden auch in Paris, London oder Stuttgart gehabt. Heute sei ein solches Synchron-Erlebnis nicht mehr denkbar: „Die Ironie unseres gegenwärtigen Augenblicks ist, dass die Beseitigung der Grenzen und der Triumph des Gemeinsamen Markts Europas Kulturgüter entwertet und fragmentiert haben.“ Ja, mehr noch, die Entgrenzung von Markt und zentralisierter Bürokratie zugleich habe nicht nur der Kultur ihren potentiell subversiven Eigenwert genommen, so dass sie nur noch als Ware in Frage kommt, sie habe auch die Völker gegeneinander aufgebracht, bis „eine stolze Nation nach der anderen einem fiskalischen Waterboarding unterzogen“ wurde.

          Europa muss wieder „zivilisiert“ werden

          Das politische Ziel, das Varoufakis aus dieser Kulturkritik ableitet, ist: Europa muss wieder „zivilisiert“ werden. In anderen Texten gebraucht er noch weiter gehende Formulierungen: „In diesem titanischen Kampf für Europas Integrität und Seele werden die Kräfte der Vernunft und des Humanismus den wachsenden Autoritarismus niederringen müssen.“ Und wie geht das? In dem Kultur-Artikel schrieb Varoufakis, der mächtige europäische Markt brauche ein ebenso mächtiges Gegenüber in Gestalt eines „gigantischen demokratischen Staats“.

          Doch in anderen, mehr politischen Texten hat er diese Forderung wesentlich modifiziert. Einen europäischen Großstaat, eine Föderation, bezeichnete er da als „weder möglich noch erstrebenswert“. Die entscheidende, in den meisten Wiedergaben seiner Ideen jedoch unterschlagene Vokabel für sein europäisches Alternativprogramm lautet: „Simulation“. Es gelte, „einen Zentralstaat ohne Staatenbund und ohne weiteren Verlust staatlicher Souveränität zu simulieren“. Konkret schlägt er vor, mit Hilfe schon vorhandener Institutionen vier Kernbereiche der politischen Ökonomie zu europäisieren, einer Zentralverwaltung zu unterstellen: den Bankensektor, einen Teil der öffentlichen Schulden, die Kapitalanlagen und die Hunger- und Armutsbekämpfungsprogramme. In einem solchen Verfahren liege das „Potential für die Simulation eines europäischen New Deal, ohne dass es eines Bundesschatzamts, irgendwelcher fiskalischer Transaktionen oder einer neuen Institution bedürfte.“

          Warum legt der Syriza-Chefdenker so viel Wert auf die Verwendung des Worts „Simulation“? Vordergründig liegt die Antwort nahe: weil er als Ökonom ein Spieltheoretiker und auch -praktiker ist. Seine Doktorarbeit schrieb er über ein Thema der Spieltheorie, und eine seiner letzten Arbeitsstellen vor dem Ministeramt war ein Engagement bei dem amerikanischen Videospielhersteller Valve, wo er vor allem mit der Analyse virtueller Währungen befasst war.

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