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Solidarität in Paris : Grenze zu, Türen auf

Paris, am Tag nach dem Attentat Bild: dpa

Gastfreundschaft statt Terror: Unter dem Hashtag #porteouverte boten viele Pariser den orientierungslos Herumirrenden spontan ihre Wohnungen an. Eine Geste der Hilfsbereitschaft und der Selbstbehauptung.

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          Es dauerte nicht lange, bis sich der Präsident entschloss, die Grenzen zu schließen, nach außen und nach innen, und noch bevor die Debatte darüber beginnen konnte, ob diese Entscheidung mehr sei als eine verständliche polizeiliche Maßnahme, eine grundsätzlich Absage an Offenheit und Toleranz etwa, ein Signal an Europa und an alle, die dort Schutz suchen, auch vor dem Terror, der nun in seinem Herzen angekommen war, knallten die Bürger von Paris der Idee jeder Art von Abschottung die Tür vor der Nase zu: indem sie ihre öffneten. Auf Twitter verbreitete sich der Hashtag #PorteOuverte, unter dem Menschen ihre Adresse veröffentlichten und eine Einladung an alle Menschen aussprachen, die im Pariser Ausnahmezustand herumirrten, sich in ihren Wohnungen in Sicherheit zu bringen. Die U-Bahnen waren außer Betrieb, Taxis standen still, viele Menschen hatten keine Möglichkeit, nach Hause oder in ihr Hotel zu kommen. Und Angst hatten sie auch. Aber in Saint-Denis, im 10. und im 11. Arrondissement, in ganz Paris, auf Französisch, Englisch und auf Deutsch konnten all jene Zuflucht finden, die in dieser Nacht zum Flüchtling geworden waren.

          Harald Staun
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Türen zu öffnen, für alles und jeden, der da komme: das war in diesen Stunden alles andere als eine Selbstverständlichkeit, und deshalb war diese Kampagne viel mehr als eine Geste, mehr als ein Ausdruck der Solidarität, wie man ihn vor zehn Monaten bei #JeSuisCharlie beobachten konnte. Jeder, der diese beiden Worte äußerte, haftete mit dem eigenen Leben für alles, was gerade angegriffen wurde, für eine Welt, die erst verloren ist, wenn die Angst siegt. Und so versammelten sich, wie es etwa der „Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann beschrieb, Menschen für eine Nacht in fremden Wohnungen, schauten gemeinsam Fernsehen, lernten sich kennen.

          Die Attentate von Paris waren auch ein Anschlag auf Europa. In dieser Nacht konnte man sehen, dass es nicht totzukriegen ist.

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