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Grandmaster Flash : „Ich bin ein Mischwissenschaftler“

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„Scientist of the mix”: Grandmaster Flash Bild: AP

In der Anfangszeit der Hip-Hop-Musik, Ende der siebziger Jahre, kreisten die Rapper noch um den Discjockey. Grandmaster Flash war nicht irgendein DJ, sondern Erfinder des Plattenspielers als Musikinstrument. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über den „Hip Hop“ als Wissenschaft.

          In der Anfangszeit der Hip-Hop-Musik Ende der siebziger Jahre kreisten die Rapper noch um den Discjockey. Grandmaster Flash war nicht irgendein DJ, sondern Erfinder des Plattenspielers als Musikinstrument.

          Man hat Sie jetzt als ersten Hip-HopKünstler in die „Rock 'n' Roll Hall of Fame“ in Cleveland, Ohio, aufgenommen. Sollte es eines Tages eigentlich auch eine „Hall of Fame“ des Hip-Hop geben?

          Eigentlich wäre die längst überfällig. Es gibt noch so viele andere Hip-Hop-Heroen, die diese Musik groß gemacht haben. Die passen gar nicht alle in eine Rock 'n' Roll Hall of Fame.

          Wer sollte als Erstes aufgenommen werden?

          Das hängt natürlich von den Regeln ab. Bei der Rock 'n' Roll Hall of Fame kommen nur die in Frage, die wie Grandmaster Flash and the Furious Five Aufnahmen vorzuweisen haben, die mindestens 25 Jahre zurückliegen und Musikgeschichte geschrieben haben. Das schließt manche von vornherein aus.

          Zum Beispiel?

          Kool Herc. Von dem gibt es überhaupt keine Platten, aber als erster Break-Beat-DJ ist er unbestritten einer der Gründungsväter des Hip-Hop. Kool Herc zusammen mit Afrika Bambataa - das wäre meine erste Wahl für eine Hip-Hop Hall of Fame.

          Sie wurden als Joseph Saddler geboren. Bekannt sind Sie als Grandmaster Flash. Fans nennen Sie auch „Paganini des Plattentellers“ und „Scientist of the mix“. Welcher Name ist Ihnen am liebsten?

          Flash hat mich ein Freund genannt, mit dem ich als Junge zusammen immer Flash Gordon angeschaut habe. Er hieß Gordon, da war es irgendwie logisch, dass ich Flash war. Als ich dann später DJ wurde, passte der Name immer noch. Flash - das ist der Superhero der Nacht, der seine Dinge schnell wie der Blitz erledigt. So wie ich am Turntable.

          Und „Scientist of the mix“?

          Ist mir als Künstlername am liebsten. Er trifft am besten, dass Grandmaster Flash seine Sache, nämlich die Erfindung des Turntablism, wie ein Wissenschaftler angegangen ist. Angefangen hat alles mit der Stereoanlage und der Plattensammlung meines Vaters. Uns war strikt verboten, beides auch nur anzufassen. Aber von klein auf hatte ich diesen Drang, es dennoch zu tun. Ich wollte herausfinden, wie es möglich war, dass so viel Musik in diesen kleinen, schwarzen Rillen steckte. Das brachte mir jede Menge Prügel meines Vaters ein, lehrte mich aber gleichzeitig den Wert des Vinyls.

          Wann wurde diese Beschäftigung wissenschaftlich?

          Als ich mir etwas zum Ziel setzte, was damals keinen anderen DJ interessierte: Ich wollte herausfinden, wie man aus Fragmenten verschiedener Aufnahmen - Pop und Rock, Jazz und Blues, R&B und Soul, Punk und Funk - einen ununterbrochenen Musik-Flow konstruieren kann. Live, aber so präzise auf dem Beat, als ob es im Studio aufgenommen wäre. Dazu musste ich das passende Equipment finden: den passenden Plattenspieler, die richtige Nadel, einen Mixer und so weiter. Und ich musste herausfinden, wie ich dieses Equipment so bedienen kann, als ob es ein Musikinstrument wäre. Mir war klar, dass ich dazu etwas machen musste, was ein DJ damals eigentlich nie tun sollte: Ich musste das schwarze Vinyl, die Schallplatte selbst anfassen. Ich musste lernen, wie man neue Klänge aus alten erzeugt, indem ich die Platte zum Beispiel vor- und rückwärts bewege. Im Grunde habe ich damals erfunden, was sich heute Sampling nennt.

          Wie reagierten die anderen DJs?

          Mit Unverständnis. Manche waren sogar zornig oder machten sich über mich lustig, weil ich das tat, was ein DJ angeblich nicht tun sollte: das Vinyl selbst anfassen. Ich war derjenige, der die Platten ruiniert. Es dauerte eine Weile, bis die Leute verstanden, worum es mir ging.

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