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Grand Prix d´Eurovision : Ozzy Osbourne beim Musikantenstadl

Wahre Liebe gibt es nur zwischen Mädchen: t.A.T.u Bild: AP

Ralph Siegels Stimmungskanone Lou, die lesbischen Lolitas von t.A.T.u - oder wer sonst gewinnt den Grand Prix Eurovision 2003 in Riga? FAZ.NET präsentiert die Teilnehmer aller 26 Länder und gibt eine Prognose ab.

          Die ganze Last liegt beim diesjährigen europäischen Schlagerwettbewerb im lettischen Riga auf den schmalen Schultern zweier junger Mädchen. Das Duo t.A.T.u, von einem beneidenswert dreisten Manager als lesbische Lolitas verkauft, ist in diesem Jahr die Attraktion, die der Grand Prix benötigt, um außerhalb der Gemeinde ernsthafter Schlagerfreunde die notwendige Aufmerksamkeit zu erfahren. t.A.T.u. haben beim Grand Prix ungefähr soviel verloren wie Ozzy Osbourne beim Musikantenstadl und werden von den Traditionalisten entsprechend gehaßt. Tausende aber werden nur deshalb einschalten, um zu erfahren, ob sich die Mädels bei ihrem Auftritt wie erhofft an die Wäsche gehen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deutschland hingegen ist nach seinen Guildohorn- und Stefanraab-Exzessen jüngster Zeit wieder bei Ralph Siegel angekommen, dem alten Kämpen und Don Quichotte des Wettbewerbs. Mit Lou schickt er diesmal eine orangehaarige Stimmungskanone ins Rennen - mehr Kanone freilich als Stimmung -, deren Song „Let's Get Happy“ von den harten Anstrengungen der Deutschen kündet, als heiter wahrgenommen zu werden. Keine Frage: Für Siegel wird es das verdiente Debakel werden.

          Wer aber gewinnt statt dessen? Vielleicht derjenige, der am besten das europäische Zusammenwachsen demonstriert - ein deutsch singender Pole etwa, ein spanisch singender Ukrainer oder die tapferen Gastgeber, die ihre Heimat mit dem Mars gleichsetzen. FAZ.NET präsentiert - in der Reihenfolge ihres Auftritts am Samstag, 24. Mai, von 21 Uhr an - die Teilnehmer aller 26 Länder und gibt eine Prognose ab.

          Let's Get Happy, singt Lou.Ob ihr jemand folgen möchte?

          1. Island: Birgitta mit „Open Your Heart“

          Birgitta stammt aus Husavik und war Leadsängerin der Gruppe Irafar. Oder war's umgekehrt? Die erste Single der Band hieß „Hvar er ég?“, was wir, die wir kein isländisch können, mit „Hast du ein Ei?“ übersetzen würden. Es folgte das Album „Allt sem ég sé“ („Halt das Ei fest“). Beim Grandprix singt sie zur Abwechslung mal über Herzen, die sich öffnen sollen. Prognose: Eier lassen sich leichter öffnen.

          2. Österreich: Alf Poier mit „Weil der Mensch zählt“

          Die Humoroffensive der Deutschen mit Guildo Horn und Stefan Raab kontern die Österreicher mit Alf Poier. In Riga nölt Poier ein Kinderlied mit Zeilen wie „Der Unterschied zwischen Tieren zwischen Affen und Primaten, der is net vü größer wie bei Nudl und Fritatten“. In dem Song geht es nach Poiers Worten um „Tiere, die gezwungen sind, in dem Mist zu leben, den Menschen hinterlassen“. Prognose: Auch Österreicher sind Menschen.

          3. Irland: Mickey Harte mit „We've Got the World Tonight“

          Die beim Grand Prix siegesgewohnten Iren schicken Mickey Harte ins Rennen, der aussieht wie der junge Reinhard Mey und schon mal behauptet, daß ihm an diesem Abend die Welt gehört. Eine mit Flöten und spanischen Gitarren vergeblich auf exotisch getrimmte Ballade, in der Hart singt: „Ask me why my feet never touch the ground“. Prognose: In Riga dürfte er ziemlich schnell auf dem Boden landen.

          4. Türkei: Sertab Erener mit „Everyway that I can“

          Sertab Erener ist eine Art türkische Shakira, die heimatliche Folklore und große weite (westliche) Welt zusammenführt. Das Ergebnis ist orientalisch angehauchter Elektropop. Prognose: Klingt bizarr, aber der Bauchtanz könnte helfen. Geheimfavoritin.

          5. Malta: Lynn mit „To dream again“

          In Malta ist es mangels Einwohnern nicht allzu schwer, einen Grand-Prix-Teilnehmer zu küren: Irgendwann kommt jeder mal dran. Diesmal traf es die zweiundzwanzig Jahre alte Lynn. Die sprachbegabte Sängerin versteht Deutsch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Englisch. In ihrem Song reichte das immerhin für Zeilen wie „Don't break my heart“ und „I love you baby“. Prognose: Darf weiterträumen.

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