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Googles Expansion : Roboterlogik

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Detail auf dem Weg zur Singularität: Thermostat von Googles Neuerwerb „Nest“ Bild: AFP

Warum will Google auch Rauchmelder und Thermostate verkaufen? Seine systematisch aufgebaute künstlichen Intelligenz sucht einen Körper. Der Mensch ist dabei nicht mehr das Maß.

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          Google streckt seine Fühler aus. Im Portfolio des Unternehmens finden sich nun nicht mehr nur fahrerlose Autos, Mobiltelefone und Militärroboter, sondern auch Rauchmelder und Thermostate. Dieser neueste Coup von Google wirkt auf den ersten Blick fragwürdig. „Boston Dynamics“, das Unternehmen, dessen Roboter im Terminator-Stil für Wirbel sorgten, war Google 1,2 Milliarden Dollar wert. Für den Hersteller elektronischer Haushaltshilfen „Nest“ zahlte Google nun 3,2 Milliarden Dollar. Rechtfertigt hübsches Produktdesign den Preisunterschied? Über das Kalkül von Google lässt sich rätseln. Das Unternehmen hält sich mit Angaben zu seiner Strategie vornehm zurück. Doch es gibt Hinweise.

          Etwa die aussagekräftige und zeitlose Einlassung, die der Mitgründer des Onlinemagazins „Wired“, Kevin Kelly, in dem Film „Google und die Macht des Wissens“ zu Protokoll gegeben hat: Bei dem umstrittenen Projekt „Google Books“ sei es Google um nichts anderes als „die Wissensbasis für künstliche Intelligenz“ gegangen, habe er von dem Google-Chef Larry Page erfahren. Nun, mit dem Internet verbundene Haushaltsgeräte sind das eine. Sie überwachen die Bewohner, um ihnen das Leben angenehmer zu machen. Google interessierte sich früh dafür, wie und was Menschen lesen, nun geht es darum, wie sie leben.

          Aber dann wäre da noch die Sache mit dem Chip, den Regina Dugan, Forschungsleiterin des Google-Tochterunternehmens Motorola, vor einem halben Jahr präsentierte: Das Bauteil passt in eine Tablette, wird geschluckt und erzeugt dann im Körper ein maschinenlesbares 18-bit-ECG-Signal. „Ihr gesamter Körper wird damit zum Authentifizierungsmerkmal“, erzählte Regina Dugan. Die Energie für seine Arbeit gewinnt der Chip aus dem Kontakt mit den Magensäuren.

          Google ist offenbar ein Durchbruch gelungen: Die künstliche Intelligenz scheint fertig, nun braucht das neue Gehirn einen Körper. Seit Jahrzehnten kursiert die Idee der „technologischen Singularität“, gepaart mit dem „Transhumanismus“, formte Google daraus Geschäftspläne; entwickelte Autos, Brillen und Telefone als nützliche Prothesen des Menschen. Nun nutzt Google die Entwicklungen: Intelligenz heißt heute Vernetzung. Jeder, der sich künftig ein hübsches Thermostat kauft, trägt zu ihr bei. Doch nutzen wird das neue Wissen allein Google. Der Mensch ist nur noch Käufer der Technologien, deren eigene Intelligenz nicht mehr versucht, dem Menschen nachzueifern. Diese Hürde scheint längst genommen.

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