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Google-Jahresrückblick : Was die Welt kurz bewegt

Was die Menschen bewegt und was sie suchen, das sind immer noch zwei sehr unterschiedliche Dinge. Bild: dpa

Warum ist Prince gestorben? Und wer ist eigentlich Brigitte Nielsen? Google stellt die meistgestellten Fragen des Jahres 2016 vor.

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          Der Mensch verbringt die meiste Zeit seines Lebens mit dem Suchen von Dingen. Darunter langfristig: Liebe, Anerkennung, Sinn, Macht, Freunde, Gegner, Sündenböcke, etwas, das bleibt. Kurzfristiger: Steckdosen, E-Mails, Kinderschuhe, Park- und Sitzplätze, Spuren im Schnee, Arzttermine, Brillen, Zigaretten, Toiletten, Mülleimer, Wege aus der Brüllfalle oder bezahlbarer Wohnraum. Dieses sind die Suchen, die unser Leben bestimmen, während wir selbiges allmählich verlegen.

          Dann gibt es Dinge, die wir über Google suchen – Kinkerlitzchen. Nicht nur gemessen am Zeitaufwand. Dennoch beschert uns der größte Torwächter des Netzes nun zum sechzehnten Mal mit hinreichend Bohei seinen „eigenen Rückblick“ – damit verkauft man dem Deutschen seit jeher erfolgreich jeden Firlefanz – auf das Jahr „durch die ,Brille‘ der Google-Suche“. Das soll „uns eine einmalige Perspektive auf all die Momente“ geben, „die im vergangenen Jahr die Menschen bewegt haben“, heißt es in der Pressemitteilung.

          Das soll Google mal erklären

          Bewegt hat die Menschen danach an erster Stelle die „EM 2016“ (Europameister: Portugal, bitte sehr), gelaufen sind jedoch vornehmlich die Fußballer. Und obwohl die Smartphone-App „Pokémon Go“ da draußen mehr Menschen auf die Jagd nach „Hosentaschenmonstern“ auf die Straße getrieben hat, ist sie nur auf Platz zwei. Auf den Plätzen vier, fünf und sieben folgen in gleicher Reihenfolge „Brexit“, „Olympia“ und das „Dschungelcamp“, was ja im Prinzip drei verschiedene Begriffe für dasselbe Phänomen sind.

          Derweil man sich fragt, was die Suchenden sich abgesehen von Tabellen, Rängen und Medaillenspiegeln für Ergebnisse erhofft haben: „kurzsichtig“, „korrupt“, „Kamelhoden“? Dazwischen auf Platz sechs Tamme Hanken. Wer war das doch gleich? Erster Treffer bei Google: www.der-xxlostfriese.de. Stimmt ja. Der verstorbene Pferde-Besprecher ist noch vor Nico Rosberg, David Bowie und Donald Trump. Letzteres ist verständlich: Wer im Jahr 2016 nach Donald Trump suchte und kein Grundschulreferat vorzubereiten hatte, wohnt vermutlich auf einer Hallig ohne Fernseher und Postbote.

          Jetzt noch Brigitte Nielsen (Platz vier bei „Promis international“) ins Suchfeld eingeben, weil unklar ist, auf welche Weise sie die Menschen nach ihrem Film „Red Sonja“ noch bewegt hat. Ergebnis: Dschungelcamp (Suchbegriffe, Platz sieben). Berechtigt scheint allein Platz eins bei den Top-Warum-Fragen: „Warum ist Prince gestorben?“ Ja, warum? Nicht, wie. Das soll Google mal erklären. Die zeitgenössische Frage: „Warum funktioniert mein Internet nicht?“ erübrigt sich indes.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

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