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Suchmaschine „Dragonfly“ : Zieht Google in China den Stöpsel?

Sundar Pichai stellt sich den Abgeordneten des Justizausschusses. Bild: AP

Angeblich gibt Google den Plan für eine chinesische Suchmaschine mit eingebauter Zensur auf. Oder hat der Konzern Daten genug, um mit „Dragonfly“ zu starten?

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          Folgt man der Enthüllungsplattform „The Intercept“, ist die von Google für China entwickelte Suchmaschine, die den Vorgaben der Zensur gehorcht, bald Geschichte. Intern, so heißt es, sei das Projekt „Dragonfly“ (Libelle) so gut wie beerdigt worden. Abzulesen sei dies an der Einstellung der chinesischen Website 265.com.

          Diese hatte Google vor zehn Jahren gekauft, um das Verhalten chinesischer Nutzer zu studieren und darauf fußend an „Dragonfly“ zu arbeiten. „The Intercept“, das Googles Geheimprojekt im August enthüllt hatte, beruft sich auf zwei Quellen im Konzern, die berichteten, dass der Abgleich mit der von Peking aus arbeitenden Website 265.com, durch den man Seiten identifizierte, die dann auf einer schwarzen Liste landeten und von der Google-eigenen Suche nicht angezeigt wurden, beendet sei.

          Diese Suchmaschine sollte angeblich die Telefonnummern von Nutzern mit ihren Suchverläufen verbinden, wodurch es der chinesischen Zensur ein Leichtes geworden wäre, die Nutzer ausfindig zu machen. Seiten, die Informationen zu Themenkreisen wie Meinungsfreiheit, Menschenrechte oder Religion verbreiten, sollten von Googles China-Suchmaschine nicht angezeigt werden.

          Intern hatten die Pläne zu einem regelrechten Aufstand von Mitarbeitern geführt. Sie forderten die Unternehmensführung auf, „Dragonfly“ zu stoppen. Insbesondere Mitarbeiter des sogenannten „privacy team“, die sich mit dem Schutz der Privatsphäre beschäftigen, waren entrüstet – weil „Dragonfly“, so „The Intercept“, vor ihnen geheim gehalten wurde.

          Google-Chef Sundar Pichai hatte sich ausweichend geäußert. Man verfolge aktuell keine Pläne, in China eine Suchmaschine zu starten, sagte Pinchai kürzlich bei eine Anhörung im amerikanischen Kongress.

          Das Team von „Dragonfly“ sei verkleinert und die Entwickler seien angewiesen worden, sich nicht mehr mit Datensuche in China, sondern mit chinesischsprachigen Quellen im Rest der Welt zu beschäftigen, berichtet „The Intercept“. Das ließe freilich auch den Schluss zu, dass Google „Dragonfly“ gar nicht beendet, sondern im Gegenteil genügend Daten gesammelt hat, um loszulegen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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