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Götz George : Verdammt, Sie sind ja noch sehr jung!

  • -Aktualisiert am

Hart, aber verletzlich: Götz George Bild: dpa

Ein Besessener, der sich in jeder Rolle neu entdeckt: eine Laudatio des Produzenten Nico Hofmann auf den Schauspieler Götz George, der an diesem Mittwoch fünfundsechzig wird.

          6 Min.

          Für meine Mutter ist er der Mann der Männer im deutschen Film. Für meine Schwester bleibt George der ewig jung gebliebene Schimanski. Besser als Götz George, der am nächsten Mittwoch 65 Jahre alt wird, eignet sich kaum ein deutscher Schauspieler als Projektions- und Phantasiefläche einer ganzen Nation. Bei George wird man den Eindruck nicht los, als habe sich dieser Ausnahmeschauspieler auf das Älterwerden gefreut. Erst vor kurzem konnte man ihn in der herausragenden WDR-Produktion "Mein Vater" von Andreas Kleinert bestaunen, wie er völlig losgelassen das Krankheitsbild eines Alzheimer-Patienten entwickelte und dabei so schonungslos mit dem Alterungsprozeß umging, als spiele er das Porträt eines Sterbenden. Götz George, der ewige Schimanski, und das Älterwerden - hier scheint es kein Widerspruch mehr zu sein.

          Meine erste Erinnerung an Götz George liegt mehr als zehn Jahre zurück. Wir trafen uns 1992 im Garten des Hamburger Produzenten Markus Trebitsch. Es war ein heißer Sommertag, und ich war damals ein relativ unerfahrener Regisseur mit einigen Kino- und Fernseherfolgen. George spielte für Trebitsch die ZDF-Erfolgsserie "Schulz und Schulz": die Geschichte eines ungleichen deutschen Brüderpaars. George in einer Doppelrolle, einmal als West- und einmal als "Ossibruder" - das gefundene Fressen für einen populären Volksschauspieler. George erschien in Harley-Davidson-Motorradjacke mit zentimeterhohen Cowboystiefeln und spielte mir im Garten das neue Drehbuch in allen Facetten zwei Stunden lang vor.

          Väterlicher Ratgeber

          Danach schaute er mich kurz an - wir hatten vorher kaum ein Wort gewechselt - und meinte nur: "Verdammt, lieber Nico, Sie sind ja noch sehr jung." Der Abend fand seine Fortsetzung bei "Paolino" an der Alster, und jetzt war ich am Erzählen: George fragte mich nach allem aus, nach Herkunft, Familie, meinen künstlerischen Interessen, meinen Regieansätzen. Seine Neugierde war fast schon penetrant: Plötzlich hatte er mich selbst als Objekt seiner schauspielerischen Begierde erfaßt - er musterte mich mit Röntgenblick, als betreibe er sein Rollenstudium, und der ewig jung gebliebene Schimanski verwandelte sich zu einem väterlichen Ratgeber.

          Götz Georges berufliche Situation war in jenen Tagen nicht unproblematisch: Zu sehr war er jahrelang festgelegt worden auf die Rolle des Schimanski. Eine neu aufgelegte Produktion mit dem Titel "Morlock", in der er einen Umweltschutzanwalt spielen sollte, kam beim Publikum nicht an. All diese Konzeptideen, mit denen George sich damals vom Bild Schimanskis befreien wollte, fruchteten beim Zuschauer wenig: Die Leute wollten ihren Schimanski, koste es, was es wolle. George war auf der Suche nach neuen Charakterrollen; zu lang lag die letzte Erfahrung unter der Regie von Theodor Kotulla zurück, bei der er 1978 den KZ-Kommandanten Höß in "Aus einem deutschen Leben" spielte. Unser Abend endete am frühen Morgen auf einem Ruderboot, mit dem uns der Wirt über die Alster zum Hotel Atlantik schipperte. Als wir am anderen Ufer angekommen waren, kreuzte eine Polizeipatrouille, die Georges Ausweis sehen wollte. Kaum war der Star erkannt, zählte nur noch eins: das Autogramm für die Polizisten. Eines in das Innenfutter des Polizeijacketts, beim Kollegen in das Futter der Dienstmütze. Am liebsten hätten es die Beamten gesehen, wenn George mit "Schimanski" unterschrieben hätte.

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