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Goethepreis : Bekenntnis zur Verständigung

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Ein überzeugter Europäer: Dževad Karahasan an der einstigen Frontlinie in Sarajewo. Bild: Frank Röth

Das Fremde im Eigenen lebendig machen: Der bosnische Schriftsteller und Dramaturg Dževad Karahasan erhält den Goethepreis der Stadt Frankfurt.

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          Die Stadt Frankfurt verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Goethepreis 2020 an den bosnischen Schriftsteller Dževad Karahasan. „In Zeiten eines wachsenden Nationalismus auch in Europa steht der diesjährige Preisträger Dževad Karahasan für das dauerhafte Überwinden von Grenzen, seien sie politisch oder kulturell“, begründete Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Donnerstag die Entscheidung. Die Auszeichnung sei ein Bekenntnis zu Toleranz und Verständigung.

          Kulturdezernentin Ina Hartwig sagte, in seinen eindrucksvollen Romanen und Essays werde das Fremde im Eigenen lebendig. Das Werk von Karahasan umfasse Romane, Dramen, Essays und theoretische Schriften, denen ein aufklärerischer, vermittelnder Impetus gemeinsam sei. Es sei ein Werk, das sich der Vermittlung zwischen Ost und West, zwischen Islam und Christentum verschrieben habe.

          Karahasan, Jahrgang 1953, wurde in Duvno, dem heutigen Tomislavgrad, als Sohn muslimischer Eltern geboren und lebt in Sarajevo und Graz. Er studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in Sarajevo und lehrte von 1986 bis 1993 Dramaturgie und Dramengeschichte an der dortigen Akademie für szenische Künste. 1993 floh er aus der umkämpften Stadt, die eine zentrale Rolle in seinen Schriften spielt. Sein erstes Prosawerk von 1993 nahm Bezug auf Goethes West-östlichen Diwan und hieß „Der östliche Diwan“. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Sara und Serafina“ (2000), der Roman einer Flucht aus dem besetzten Sarajewo, „Der Trost des Nachthimmels“, ein Roman in drei Teilen“ (2016), und 2019 der Erzählungsband „Ein Haus für die Müden“. Zuletzt erschien von ihm „Das Buch der Gärten“, in dem er den Topos vom Paradiesgarten in der Bibel, im Koran und in orientalischen Märchen untersucht.

          Der Goethepreis wird seit 1927 alle drei Jahre am Geburtstag Johann Wolfgang Goethes, dem 28. August, an eine Person verliehen, die durch ihr Schaffen bereits zur Geltung gelangt und deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist, wie es offiziell heißt. Zuletzt erhielten ihn Amos Oz, Pina Bausch, Adonis, Peter von Matt und 2017 die Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine.

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