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Goethepreis : Amos Oz: „Die Aggression ist die Mutter aller Kriege“

  • Aktualisiert am

In der Tradition Goethes: Amos Oz Bild: dpa/dpaweb

Der israelische Schriftsteller Amos Oz ist am Sonntag mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede nannte Oz die Aggression „das ultimativ Böse in der Welt“.

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          Der israelische Schriftsteller Amos Oz ist am Sonntag mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. Oberbürgermeisterin Petra Roth überreichte die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Paulskirche.

          Mit seiner thematischen Vielfalt und stilistischen Virtuosität zähle der 66jährige zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart, begründete das Kuratorium seine Entscheidung. Der Preis ist die höchste Auszeichnung der Stadt Frankfurt. Er wird alle drei Jahre vergeben. Oz nahm den Preis am Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes entgegen. In der Paulskirche war Oz bereits 1992 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden. Roth würdigte Oz als einen „ermutigenden Kämpfer“ gegen Fundamentalismus und Radikalität.

          Oz sagte, sich den anderen vorzustellen, sei ein „sehr wirksames Gegengift gegen Fanatismus und Haß“. „Nach meiner Ansicht ist das ultimativ Böse in der Welt nicht der Krieg selbst, sondern die Aggression.“ Diese sei die Mutter aller Kriege. „Und manchmal muß Aggression durch Waffengewalt abgewehrt werden, bevor der Frieden sprießen kann.“

          Einsatz für den Friedensprozeß

          In der Urkunde für den Preisträger heißt es: „Durch seine literarischen Werke versteht es Amos Oz, Lesern in allen Teilen der Welt ein tiefgreifendes, alle Grenzen überwindendes Gefühl der Menschlichkeit, der moralischen Werte und der Zusammengehörigkeit zu vermitteln.“ Mit seiner Arbeit stehe Oz in bester Tradition der Werke Goethes, da er Literatur verfasse, die universell verstanden werden könne, so das Kuratorium. Der mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigte Oz setzt sich seit vielen Jahren für den Friedensprozeß im Nahen Osten ein. Neben seinem erzählerischen Werk wurde er auch mit seinen politischen Essays bekannt. Er gilt dabei als einer der größten Friedensvisionäre Israels. Er wirbt seit Jahrzehnten für eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.

          Der Goethepreis wird in Frankfurt seit 1927 vergeben. Zu den Preisträgern zählen unter anderem Sigmund Freud (1930), Ingmar Bergman (1976) und Siegfried Lenz (1999). Zuletzt erhielt der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki 2002 die Auszeichnung.

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