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Pommes-Debatte in der EU : Rot-weiß essen

  • -Aktualisiert am

Ketchup und Mayo gehören zu einer Portion Pommes einfach dazu. Bild: dpa

So mögen wir die Pommes gern: knusprig, kross, fettig – schön frittiert eben. Doch die Fritten könnten bald weniger kross schmecken. Grund ist eine neue EU-Verordnung. Eine Glosse.

          Sie sind mehr als ein Stück Nahrung. Nicht wegzudenken aus Menüs in Burgerlokalen oder den Mittagspausen an den Büdchen deutscher Großstädte. Am besten rot-weiß – „Schranke“, wie man im Ruhrpott sagt. In Belgien sind sie Heiligtum: Pommes frites. In Brüssel werden Pommes dieser Tage nicht nur in den zahlreichen Friteries der Stadt verzehrwarm serviert; sie kommen auch bei der EU auf den Tisch. Auf den Verhandlungstisch, um genau zu sein.

          Die EU-Kommission hat nämlich eine neue Verordnung vorgelegt, und die soll nun den Bräunungsgrad von Pommes frites regulieren. Anhand einer Farbkarte, die die verschiedenen Frittiergrade von Pommes abbilden, sollen die Gastronomen nun erkennen, wann die Pommes servierfähig sind. Der Grund: Je dunkler, also brauner, die Pommes frittiert werden, desto höher ist der Gehalt der möglicherweise krebsverursachenden Chemikalie Acrylamid im fettigen Endprodukt. Frittieren geht über Regulieren. Da die „gesundheitsfördernde“ Vorlage nun sogar schon dem Europäischen Rat zur Prüfung vorliegt, sahen einige missmutige EU-Abgeordnete ihre letzte Chance, sich zum Leibesthema zu äußern: So legt die Delegation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) ein Veto gegen die „Pommes-Verordnung“ ein. Man sehe die Verordnung als ein Exempel für die europäische „Regulierungswut“ an, das nur so vor „beamteter Weltfremdheit“ strotze. Von der Österreichischen Wirtschaftskammer gab es Beifall für das Veto, bei den Parlamentskollegen der österreichischen Sozialdemokraten (SPÖ) stößt man allerdings auf Widerspruch: Die ÖVP würde, so Karin Kadenbach, die Gesundheitssprecherin der SPÖ im EU-Parlament, bewusst europäische Empfehlungen fehlinterpretieren und betreibe „reine Stimmungsmache“.

          Stimmungsmache durch eine Diskussion über Pommes? Anscheinend ist im österreichischen Kanzlerwahljahr alles möglich. Fest steht: Die Pommes sind jedenfalls Grundpfeiler europäischer und damit auch österreichischer Kulinarik; man denke nur an die kongeniale Kombination Wiener Schnitzel mit Pommes. Die SPÖ betont, dass es hier nicht darum gehe, für die Gastronomie eine „Bürokratielawine“ auszulösen. „Natürlich sollen wir auch weiterhin knusprige Pommes und panierte Schnitzel genießen können. Das steht außer Frage“, sagt SPÖ-Frau Kadenbach. Dass die Pommes nicht verschwinden werden, steht ebenfalls außer Frage: „Les Frites, c’est chic“, verkündete auch ein Sprecher der EU-Kommission. Egal ob sie nun ganz blass oder goldbraun serviert werden, ob Ketchup oder Mayo dazu gereicht wird: Regularien oder Politstreits können dem frittierten Stück Erdapfel nichts anhaben. Verschlingen kann es nur der hungrige Endkonsument.

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