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Glosse : Von Äpfeln und Birnen

Verglichen mit Birnen sind das hier Äpfel. Verglichen mit Äpfeln sind das hier Birnen. Vergleichen wir beide, werden es Quitten. Es lebe der Vergleich! Bild: Wohlfahrt, Rainer

Äpfel kann man nicht mit Birnen vergleichen? Aber selbstverständlich. Womit denn sonst?

          Comparaison n’est pas raison, lautet ein französisches Sprichwort, Vergleiche hinken. Andererseits: Wenn sie alle hinken, sind sie vorher verglichen worden. Insofern gilt auch das Gegenteil, nämlich „Gut, dass wir verglichen haben“, und drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht Vergleichbares findet, es gilt Gleich und Gleich, also zuvor Verglichenes, gesellt sich gern, und selbst die Taube auf dem Dach muss mit dem Spatz in der Hand irgendwie verglichen worden sein, bevor man sich gegen sie für ihn entscheidet.

          Das alles ist zu bedenken, wenn man Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gedanklich folgen will. Sie hätte sich gewünscht, sagte die Ministerin gerade, „dass nicht Äpfel, Birnen und Mandarinen verglichen werden“. Indem sie das zu den unterschiedlichen Frauenquotenselbstverpflichtungserklärungen deutscher DAX-Unternehmen sagte, verglich die Ministerin dabei ihrerseits Obst mit Firmen. Worin wir sie aber gerne und zwar gegen sich selbst unterstützen möchten. Denn es geht uns die Phrase, man könne doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, schon lange auf die Nerven. Man kann nicht nur. Was, bitte schön, sollte man denn überhaupt vergleichen, wenn nicht Unterschiedliches?

          Boskop und Jonagold

          Unterschiedliche Fälle von demselben etwa lassen sich ganz gut vergleichen: So verschieden und doch beides Obst. Der Mann, der die Frauen liebte, verglich in François Truffauts gleichnamigem Film einst sogar kleine Äpfel mit großen Stängeln, womit er wiederum Frauen oder genauer: Aspekte von Frauen meinte, Pflanzliches also zunächst in sich und dann mit anderen Früchten vergleichend, die zunächst auf dem Dach, dann jedoch zu allerdings ungleichen Gesellungszwecken unewiger Bindung in der Hand liegen. Möchte Frau von der Leyen dagegen allen Ernstes einwenden, man könne doch nicht Kleines und Großes, Fernes und Nahes, Rundes und Spitzes vergleichen?

          Zugegeben, man kann natürlich auch nur Äpfel mit Äpfeln vergleichen wollen, oder Frauen nur mit Frauen, kleine Stangen nur mit kleinen Stangen oder die Ministerin nur mit ihr selber. Aber wäre man damit schon auf der sicheren Seite? Wäre man nicht. Denn es würde dann ja bestimmt einer kommen und sagen: „Man kann doch nicht Boskop mit Jonagold vergleichen.“ Und was die Ministerin angeht, so weiß sie doch am besten, dass sie so unvergleichlich ist, dass man sie nicht einmal mit sich selbst vergleichen kann.

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