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Traurigkeit des Fado : Es kann nur ein Tonstudio geben

  • -Aktualisiert am

Folkloristisch angehaucht: Madonna bei den MTV Video Music Awards 2018 Bild: AFP

Madonna behauptet, ihr Album im einzigen Tonstudio Lissabons aufgenommen zu haben. Was bedeutet das für den Fado? Und was hat es mit der fehlenden Türklinke auf sich?

          Es gehört zum Job des Musikers, seine Arbeit in Interviews nachträglich zu romantisieren. „Sicher mein persönlichstes Album“ ist so ein klassischer Satz, mit dem man instant Bedeutung erschaffen kann. Aber Madonna gibt sich damit nicht zufrieden, wie sie im ARD-Interview über die Produktion ihres neuen Albums zeigte. Für sie muss es schon ein bisschen mehr sein. „In Portugal Musik zu machen ist eine magische Erfahrung“, sagte sie mit einem weit aufgerissenen Auge, das andere unter einer Augenklappe versteckt, ihrem aktuellen Lieblingsaccessoire. „Es gibt nur ein einziges Tonstudio in Lissabon. Und das hat keine Türklinke.“

          Nun lebt Madonna seit Jahren in Portugal und könnte wissen, dass es in der Hauptstadt mehrere Tonstudios gibt, was bei einem Land mit derart lebendiger Musikszene nicht weiter überrascht. Aber es klingt eben so romantisch, ein bisschen hinterwäldlerisch vielleicht, auf jeden Fall sehr europäisch! Und es würde erklären, woher der Fado diesen Weltschmerz nimmt, diese Traurigkeit, diese tiefe Einsamkeit: Die Sänger wollen eigentlich aus der Aufnahmekabine raus, aber es gibt keine Türklinke. Der Fado entstand also, um die Herzen der Bosse der Plattenfirmen zu erweichen, damit die doch irgendwann voll Reue die Tür öffnen, aber natürlich erst, wenn das Album komplett aufgenommen ist.

          Das mag atavistisch wirken, aber noch schlimmer muss es für die Künstler sein, wenn Madonna das einzige (!) Tonstudio besetzt hält. Wo sollen sie denn hin, etwa nach Miami? Oder nach Ibiza? Wie soll man dort Fado singen? Wenn demnächst ein paar echt tanzbare Fado-Alben rauskommen, wissen wir jedenfalls Bescheid: Der Weltschmerz reist nicht gern. Und Madonna hatte mit dem einen, einzigen Tonstudio doch recht.

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