https://www.faz.net/-gqz-qadf
 

Glosse Feuilleton : Wer ist Millionär?

  • Aktualisiert am

Die SPD plant eine Reichensteuer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wären von ihr, die Alleinstehende ab 250000 Euro Jahresbrutto und Paare ab dem Doppelten erfassen soll, ungefähr sechzigtausend Deutsche betroffen, darunter gut 12000 Euro-Millionäre.

          1 Min.

          Die SPD plant eine Reichensteuer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wären von ihr, die Alleinstehende ab 250000 Euro Jahresbrutto und Paare ab dem Doppelten erfassen soll, ungefähr sechzigtausend Deutsche betroffen, darunter gut 12000 Euro-Millionäre. Ob sie alle zahlen würden, ist ungewiß, man rechnet mit Steuerflucht. Da trifft es sich, daß aus England gerade Methoden bekanntwerden, den Kreis der Reichen auch ohne aufwendige Kontenprüfung auf die echt Verdächtigen einzuengen. Denn in England ist die Vornamensforschung gerade in ihre konstruktive Phase eingetreten. Lange kümmerte sie sich ja nur um Herkunft und Bedeutung der Namen. Dann fingen Soziologen damit an, ihre Vergabe auf Schichtungsmerkmale der Eltern zuzurechnen. Die erklärenden Variablen waren dabei der Medienkonsum und Anfälligkeit für Moden. Mäßigverdiener schauen mehr fern, weswegen sie zu Namen wie Jennifer und Kevin neigen, das Bürgertum hingegen ist gern anspielungsreich, darum heißen die Kleinen auch schon mal Judith und Leander, oder es nimmt an einem Trend gegen den Trend teil, weshalb es in den Kindergärten zuletzt sehr alexanderte und annamariete. Bemerkenswert: Das Streben nach nominaler Aufwärtsmobilität durch Teilhabe an der Hochkultur scheint abzunehmen. "Carmen, komm d' Mischte raa" (Tochter, komm vom Misthaufen herunter), rief es einst aus einem schwäbischen Bauernhaus heraus. Heute würde eher nach Britney gerufen, der Zauber des aneignungsfähigen Fremden - du sollst mal besser heißen als ich - geht mehr vom ausgestrahlten Hier und Jetzt aus als von versunkenen Opernwelten. Britische Forscher haben nun aber die Umkehrrechnung durchgeführt. Nicht wie die Reichen ihre Kinder nennen, sondern - viel wichtiger - wie die Reichen selber heißen, haben sie anhand von 60000 Konten der Barclays-Bank ermittelt. Wer mehr als 100000 Pfund verdient, der heißt danach meistens - David und John oder Susan und Elizabeth. Ziemlich normal für Engländer, möchte man sagen. Einzige Hypothese: Vielleicht hat der Versuch, zu beweisen, man sei gar nicht so farblos, wie man klinge, die Davids und Susans in die Karriere getrieben. Instrumentell nutzen läßt sich die Information allerdings nur von Finanzämtern. Denn das Neugeborene jetzt überschlau David oder Susan zu nennen, auf daß es sich recht anstrenge, aus der Anonymität des Durchschnitts herauszukommen, hülfe nichts, denn mittlerweile sind die normalen Namen ja nicht mehr normal. Vielleicht also doch ganz normal Britney? kau

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht alle Jugendliche halten Ausschau nach einer ernsten Beziehung, auch eine Freundschaft plus ist für viele eine Alternative.

          Sex ohne Beziehung : Warum „Freundschaft plus“ oft schiefgeht

          Man mag sich, man hat Sex, man will keine Beziehung. Die Psychotherapeutin Harriet Salbach erklärt, warum „Freundschaft plus“ bei Jugendlichen so beliebt ist – und für viele dann doch nicht das Richtige.
          Eine Mitarbeiterin des Robert Koch-Instituts (RKI) beschriftet während eines Fototermins nach einer Pressekonferenz zum Start der Studie "Corona-Monitoring lokal" eine Blutprobe für einen Antikörpertest.

          Coronavirus : RKI meldet 741 Neuinfektionen

          Das Robert Koch-Institut hat innerhalb eines Tages 741 neue Coronavirus-Fälle registriert. Wer in Nordrhein-Westfalen in Bus und Bahn keine Maske trägt, soll künftig 150 Euro Sofort-Bußgeld bezahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.