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Glosse Feuilleton : Schlossbücherei

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Hinter den Fassaden der Berliner Kulturpolitik tobt ein verbissener Kampf um den Inhalt des Humboldt-Forums im neu zu errichtenden Berliner Stadtschloss. Es ist aber kein Fassadenstreit, wie er vor sechs Jahren ausgetragen wurde, ...

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          Hinter den Fassaden der Berliner Kulturpolitik tobt ein verbissener Kampf um den Inhalt des Humboldt-Forums im neu zu errichtenden Berliner Stadtschloss. Es ist aber kein Fassadenstreit, wie er vor sechs Jahren ausgetragen wurde, als der Wiederaufbau des Schlosses noch in weiter Ferne lag; es ist ein Streit um das Wesentliche, den Kern. Er dreht sich um die Frage, welche Einrichtungen, welche Objekte und Sammlungen in der zukünftigen symbolischen Mitte der Stadt gezeigt werden sollen. Kein kleines Thema, fürwahr, und schon gar keines, das man den Politikern allein überlassen sollte. Jetzt aber hat die Politik in Gestalt des Berliner Senats eine wichtige Vorentscheidung getroffen. Bis vor kurzem sah es so aus, als hätte die Berliner Zentral- und Landesbibliothek beim Rennen um die letzten Quadratmeter Bruttogeschossfläche im Humboldt-Forum keine realistische Chance mehr. Nun jedoch hat der Senat beschlossen, vier Fünftel des Berliner Schlossanteils von fünftausend Quadratmetern der unter Platznot leidenden Bibliothek zuzuschlagen; das übrige Fünftel bekommt die Humboldt-Universität für ihre wissenschaftlichen Sammlungen. Für den Universitätspräsidenten Christoph Markschies, der kein Hehl aus seinem Anspruch gemacht hat, die für Berlin vorgesehene Schlossfläche möglichst allein zu bespielen, ist das eine schlechte Nachricht. Für Klaus-Dieter Lehmann, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die den Masterplan für die Gestaltung des Humboldt-Forums entwickeln soll, ist es eine noch schlechtere. Denn es bedeutet, dass ein wichtiger Teil von Lehmanns Vorschlägen für die Nutzung des Stadtschlosses hinfällig ist. In dem Parterregeschoss des neuen Gebäudes, für das sich unter den Beteiligten der Ausdruck "Agora" eingebürgert hat, muss nun erst einmal die Bibliothek untergebracht werden, wodurch sich der Spielraum für den Theater-, Konzert- und Ausstellungsbetrieb, den Lehmann hier ansiedeln wollte, merklich verengt. Aber auch die tausend Quadratmeter Fläche, die für die Humboldt-Universität bereitstehen, könnten für Ärger sorgen, denn sie werden, wie es aussieht, im Gesamtkomplex der Außereuropäischen Sammlungen in den oberen Stockwerken des Neubaus aufgehen. Gegen diese Vereinnahmung jedoch dürfte sich Berlin sperren, so wie es sich in der Vergangenheit gegen manches gesperrt hat, was das Schloss betraf. Zwar beträgt der Anteil der Stadt am Humboldt-Forum nur ein Zehntel, aber dieses Zehntel könnte die Schlossplanungen noch gehörig durcheinanderbringen. Um die Fassade, wie es die Linkspartei gern hätte, geht es in diesem Tauziehen längst nicht mehr. Es geht darum, wie die Mitte Berlins, die Mitte des Landes in zehn Jahren aussehen soll. kil

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