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Glosse Feuilleton : Rom hat gesprochen, die Debatte ist eröffnet

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Enzykliken stellen eine bestimmte literarische Form päpstlicher Verlautbarungen dar, Rundschreiben des Papstes an den gesamten Episkopat der Kirche oder einen Teil derselben sowie über diese auch an die Gläubigen.

          Enzykliken stellen eine bestimmte literarische Form päpstlicher Verlautbarungen dar, Rundschreiben des Papstes an den gesamten Episkopat der Kirche oder einen Teil derselben sowie über diese auch an die Gläubigen. Gebräuchlich seit Papst Benedikt XIV. (1740 bis 1758), sind sie seit Gregor XVI. immer häufiger als Mittel zur Leitung der Kirche verwendet worden; so stammen etwa von Leo XIII. achtundvierzig Enzykliken und von Pius XII. dreiundzwanzig. Zumeist handelt es sich um Lehrenzykliken, die sich auf Gegenstände der Glaubens- und Sittenlehre im weiteren Sinn, auch der Sozial-, Staats- und Wirtschaftslehre beziehen. In Lehrenzykliken tritt der Papst als oberster Lehrer der Kirche in Glaubens- und Sittenfragen auf. Welche Autorität kommt diesen Enzykliken zu? Auch Ansprachen, Predigten, Botschaften des Papstes sind Äußerungen des obersten Lehrers. Andererseits sind Enzykliken im Codex iuris Canonici von 1983 explizit nicht genannt. Ihr Ort ist daher - in der Sprache des CiC 1983 - in der Abgrenzung von unfehlbarem und nichtunfehlbarem päpstlichen Lehramt zu bestimmen.

          Hans Küng hat aus Anlaß der Enzyklika "Humanae vitae" seine Kritik gegen das unfehlbare päpstliche Lehramt selbst und materiale Unfehlbarkeitstendenzen römischer Schultheologie gerichtet. Das rief pauschale Abwehrreaktionen hervor, statt eine weiterführende Diskussion in Gang zu bringen. Mir scheint es richtiger, die Diskussion andersherum zu führen, indem das unfehlbare Lehramt des Papstes zum Ausgangspunkt genommen und der Status päpstlicher Enzykliken in der Abgrenzung zu ihm, nach oben also, bestimmt wird. Das unfehlbare Lehramt des Papstes ist nämlich nach Form und Bedingungen genau und einschränkend umschrieben. Es steht neben dem unfehlbaren ordentlichen und universalen Lehramt der Gesamtkirche, das heißt des Bischofskollegiums in Gemeinsamkeit untereinander und mit dem Papst, als außerordentliches Lehramt. Als solches ist es daran gebunden, daß der Papst als oberster Hirt und Lehrer aller Gläubigen (ex cathedra) auftritt und als solcher eine Glaubens- oder Sittenlehre definitiv als festzuhalten (tenendum) verkündet. Und es gilt, daß eine Unfehlbarkeit der Lehre nur dann gegeben ist, wenn offensichtlich (manifesto) feststeht, daß sie als unfehlbare verkündet ist; es gibt also keinerlei Vermutung für Unfehlbarkeit.

          Daraus ergibt sich, daß Enzykliken als solche keinen Anteil am unfehlbaren Lehramt haben. Sie erfüllen nicht die dargelegten sachlichen und förmlichen Anforderungen und bleiben damit Äußerungen des magisterium ordinarium des Papstes. Hier gilt der Grundsatz, für den der Jurist einen besonderen Blick hat: enumerativ, ergo limitativ. Wird, wie durch das Vatikanum I geschehen, ausdrücklich festgelegt, daß einer päpstlichen Lehre unter bestimmten Bedingungen Unfehlbarkeit zukommt, ist damit zugleich festgelegt, daß alles, was außerhalb dieser Bedingungen gelehrt wird, an der Unfehlbarkeit keinen Anteil hat. Mit dieser klaren und förmlichen Limitierung sind rein materielle Unfehlbarkeitstheorien, die auch und schon inhaltliche Eindeutigkeit und Kontinuität päpstlicher Lehren zum Kriterium einer Unfehlbarkeit machen wollen, unvereinbar.

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