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Glosse Feuilleton : Lachen ist gesund!

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Hitler war ein großer Karl-Valentin-Fan. Einmal fasste er sich ein Herz und sprach den Komiker nach einem Auftritt an. Dass er bei Valentins Auftritten immer sehr lachen müsse, sagte Hitler, worauf der Bewunderte antwortete: "I bei eanare ned!" Valentin war also, anders als Hitler, Antifaschist.

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          Hitler war ein großer Karl-Valentin-Fan. Einmal fasste er sich ein Herz und sprach den Komiker nach einem Auftritt an. Dass er bei Valentins Auftritten immer sehr lachen müsse, sagte Hitler, worauf der Bewunderte antwortete: "I bei eanare ned!" Valentin war also, anders als Hitler, Antifaschist. Ein anderes Mal fuhr Hitler mit Eva Braun im Zug, der Schaffner kam, die Fahrkarten bitte, und da passierte es: Hitler lief rot an und wollte auch schon explodieren, man erkenne ihn offenbar nicht, aber der Schaffner sagte nur: "Und ich bin der Kaiser von China!" Ernst "Putzi" Hanfstaengl hingegen wusste zu berichten, dass er Hitler immer mit einem Vorspiel beglücken musste, und zwar in Gegenwart von Goebbels und Göring - es war aber natürlich das "Meistersinger"-

          Vorspiel, denn Hanfstaengl war ein sehr guter Pianist. Sehr bald wurde Hanfstaengl dann der Auslandspressechef der Partei, setzte sich später aber nach Amerika ab und wurde dem dortigen Geheimdienst nicht ganz kriegsunwichtig nützlich, indem er ein bis dahin gut gehütetes Geheimnis preisgab: Hitler sei, schrieb Hanfstaengl, ein "egocentric und masturbic Narcissus". Hitler war Hanfstaengel dennoch zu Dank verpflichtet, weil dessen Frau Helene Hitler davon abgehalten hat, sich bei seiner Verhaftung nach dem missglückten Hitler-Putsch selbst totzuschießen. Also nicht Helene Hitler hat Hitler die Pistole aus der Hand genommen, sondern Helene Hanfstaengl. Hanfstaengl war es übrigens auch, der für die erste große und eigentlich auch letzte Charmeoffensive der Nationalsozialisten gesorgt hatte: Die beiden von ihm 1933 und 1935 herausgegebenen Bände "Hitler in der Karikatur der Welt" hinkten der Frage, ob man über Hitler lachen dürfe, praktisch schon hinterher - man tat es einfach, auch in den angloamerikanischen Satiren, die im NSDAP-eigenen "Verlag Braune Bücher" herauskamen. Beides war als freilich wirkungsloses Gegenmittel zu der damals schon grassierenden Mode der Hitler-Verspottung gedacht. Nietzsche wusste es schon: Nicht durch Zorn, durch Lachen tötet man. Wenn wir heute immer noch fragen: Darf man über Hitler lachen?, dann kann die Antwort nur lauten: Man darf, jeder tut es, außerdem kann Hitler es einem nicht mehr verbieten. Die Frage aber, was Hitler denn nun war - ein bedauernswerter Bettnässer, wie es der neueste Hitler-Film nahelegt, oder nicht doch vielmehr "eine menschliche Sau" (Gerhard Polt) -, dürfte im Lichte dieser Anekdoten, die bis auf die Sache mit dem Kaiser von China alle wahr sind, geklärt sein. edo.

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