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Glosse Feuilleton : Im Abseits

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Den einstigen "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert kennt man als Verfasser verschiedenster Werke, die sich der Moral widmen oder dem, was von ihr übrig blieb. "Der Ehrliche ist der Dumme" heißt sein bekanntestes Buch, "Gauner muss ...

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          Den einstigen "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert kennt man als Verfasser verschiedenster Werke, die sich der Moral widmen oder dem, was von ihr übrig blieb. "Der Ehrliche ist der Dumme" heißt sein bekanntestes Buch, "Gauner muss man Gauner nennen" sein neuestes, und genauso hätte auch die Talkrunde heißen können, in der Wickert am Dienstag Sandra Maischberger vertrat. Eine kleine Variation hatte sich die Redaktion gestattet: "Von Schmiergeld bis Schwarzarbeit: Volkssport Betrug?" war das Thema. Der schillerndste Gast war einer, der im Sport wie im Betrug - jedenfalls, laut Gerichtsurteil, in der Beihilfe dazu - über Kompetenz verfügt: der frühere Schiedsrichter Robert Hoyzer, der bekannteste Parteiische Deutschlands. Seit seinem Auftritt bei Kerner sind mehr als zwei Jahre vergangen, in denen Hoyzer seine Strafe von zwei Jahren und fünf Monaten Haft ohne Bewährung noch immer nicht angetreten hat. Das würde er gern rasch tun, da die Wartezeit für ihn ein "beträchtliches Maß an Einschränkung im normalen Leben" bedeute. Hoyzer trägt heute Bart. Weitere Erkenntnisse über seine Person lieferte die Sendung leider nicht. Hoyzer zeigte sich als adretter, höflicher, junger Mann, der brav Wickerts Beckmann-Fragen beantwortete: Wie war das damals, als man ihn anwarb, um Fußballspiele zu verschieben? Gab ihm die U-Haft ein Gefühl dafür, was ihn im Gefängnis erwartet? Wird er sich dem dortigen Fußballteam anschließen? Letzteres kann sich Hoyzer vorstellen, pfeifen will er nicht mehr. Die verbleibende Stunde der Sendezeit saß Hoyzer stumm im Abseits. Derweil schilderte der frühere Siemens-Mann Rudolf Vogel, der seiner Firma einst mit viel Geld Auslandsaufträge erkaufte, seine "Vorsorgemaßnahmen, um die Auftragsplanung ordnungsgemäß erfüllen zu können". Bürokratischer kann man Bestechung nicht umschreiben. Vogel bekam, nachdem Siemens sich von ihm getrennt hatte, eine Abfindung, wurde nie angeklagt und lebt heute in der Karibik. Wer will, kann daraus eine Moral ziehen; eine erfreuliche wäre es sicher nicht. jöt

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