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Glosse Feuilleton : Hollywood ehrt die Älteren

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Elf Jahre ist es her, dass Susan Sarandon, Jahrgang 1946, für ihre Rolle in "Dead Man Walking" den Oscar als beste Darstellerin entgegennehmen konnte. Davor und seitdem sind es die jüngeren und ganz jungen Schauspielerinnen, die ...

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          Elf Jahre ist es her, dass Susan Sarandon, Jahrgang 1946, für ihre Rolle in "Dead Man Walking" den Oscar als beste Darstellerin entgegennehmen konnte. Davor und seitdem sind es die jüngeren und ganz jungen Schauspielerinnen, die in den Nächten der Golden Globes und der Oscarverleihungen auf die Bühne gerufen werden. In den vergangenen zehn Jahren waren das unter anderen Gwyneth Paltrow und Nicole Kidman, Charlize Theron, Renee Zellweger, Julia Roberts, Halle Berry, Hilary Swank, Angelina Jolie, Catherine Zeta-Jones und so weiter, nicht immer unverdient und meistens wunderschön. Ebenso wie an diesen Anblick gewöhnt haben wir uns an die Klage von Darstellerinnen über vierzig, dass das Kino, vor allem das amerikanische Mainstream-Kino, keine passenden Rollen für Frauen bereithält, deren Jugend hinter ihnen liegt. Und das nur, weil in Hollywood kaum einer glaubt, dass mit Lebensdauer und Erfahrung die Schauspielkunst und vielleicht doch auch die Geschichten wie auch die Sexualität (um die es ja meistens geht im Kino) spannender werden, eine Tatsache, der gradlinig und ohne Unterbrechung vor allem die wunderbare Charlotte Rampling, ebenfalls Jahrgang 1946, in immer neuen Rollen jüngerer Filmemacher jenseits von Hollywood zur Geltung verhilft. Bei der Verleihung der Golden Globes am Montag allerdings sah es so aus, als könnte es auch in Hollywood eine neue Welle der Wertschätzung für ältere Frauen geben, und es ist zu vermuten, dass Ähnliches sich zumindest von den Nominierungen für die Oscars in der nächsten Woche sagen lassen wird. Helen Mirren ist im Alter von einundsechzig nach zwei Golden Globes für ihre Verkörperung zweier Königinnen haushohe Favoritin für eine Oscar-Nominierung, Judi Dench mit zweiundsiebzig in der Kategorie der Nebendarstellerinnen auch, ebenso wie Meryl Streep mit siebenundfünfzig und, als Küken unter den Erwachsenen, Annette Bening im Alter von achtundvierzig. Offenbar hat sich auch in Hollywood inzwischen herumgesprochen, dass im Kino sich das zuverlässige Publikum mehr und mehr aus Frauen in mittleren Jahren rekrutiert, weil sich die jugendlichen Männer bevorzugt von den neuen Abspieltechniken in digitalen Kleinformaten angezogen fühlen. Und es die Frauen sind, die die Männer mitunter noch ins Kino mitschleppen. Diese Frauen sehen gern Geschichten und Gesichter, in denen sich noch irgendetwas spiegelt, das ihnen aus dem eigenen Leben bekannt vorkommt, und seien es die faltigen Hände und ein manchmal müder Blick, wie Meryl Streep ihn in ihrer Rolle als Teufel, der Prada trägt, in einem Make-up-losen Augenblick im Hotel nicht mehr verbergen kann. Auch dass die Rollen, in denen die Älteren jetzt Erfolge feiern, die Rollen von Königinnen und weiblichen Tycoonen sind, zeigt, dass Hollywood in der Jetztzeit angekommen ist. VERENA LUEKEN

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