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Glosse Feuilleton : Dompteur Plasberg

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Mittwochsabends ist es immer leicht, Schlimmeres zu verhüten. Mittwochsabends kann man eigentlich nichts Besseres tun, als sich im WDR-Fernsehen "Hart, aber fair" anzuschauen. Vorgestern erlebte man dort wieder einmal die Sternstunde des deutschen Fernsehens, die sie allwöchentlich zu sein pflegt.

          Mittwochsabends ist es immer leicht, Schlimmeres zu verhüten. Mittwochsabends kann man eigentlich nichts Besseres tun, als sich im WDR-Fernsehen "Hart, aber fair" anzuschauen. Vorgestern erlebte man dort wieder einmal die Sternstunde des deutschen Fernsehens, die sie allwöchentlich zu sein pflegt. Es gibt - aber das werden Sie längst selber wissen - es gibt im Talk-Genre auf unseren Bildschirmen nichts Vergleichbares. Das liegt zum einen an der hohen Professionalität der "Hart, aber fair"-Redaktion. Die Filme, die diese Redaktion vorbereitet und einspielt, sind gehauen und gestochen. Bestens recherchiert und mit sicherem Gespür für die Pointe. Gnadenlos investigativ, gnadenlos ironisch, und letzten Endes doch immer voller Gnade. Sie atmen eine heitere Sachlichkeit, wie sie auch - so wird man das wohl sagen können, wenn man einmal alle Johannes B. Kerners des deutschen Fernsehens danebenhält - wie sie auch das persönliche Alleinstellungsmerkmal des Moderators Frank Plasberg ist. Er führt so nebenbei durch seine Sendung, als sei er nur mal gerade hereingeschneit, als sei das nur eine längere, erholsame Pause von seinem ganz anders gearteten Brotberuf (Arzt vielleicht oder Eisverkäufer, wer weiss?). Bei Plasberg gibt es weder Geschwätz noch Gedröhne, kein eitles Rumgemache. Konzentriert bricht er die Klischees, lässt durch trockene, kurze Fragen die Kandidaten sich gegenseitig korrigieren, sich gegenseitig die Luft herausnehmen. In welcher Talk-Sendung gibt es das denn sonst: dass man nicht eine Minute lang das Gefühl hat, seine Lebenszeit zu verbraten? Stattdessen ist man im Augenblick danach vor Erschöpfung jedesmal wie aus dem Wasser gezogen, als hätte man selber im Studio mitgemacht: weil man wieder einmal so viel gelernt, so viel gebangt und so viel gelacht hat. Was lernte man, worum bangte man, worüber lachte man vorgestern? Vorgestern ging es um das Thema "Von Gebärmaschinen und Rabenmüttern - wer rettet das Familienglück?". Man lernte, dass das Thema hauptsächlich deshalb das Erregungsthema Nummer eins ist, weil beständig falsche Alternativen gegeneinander ausgespielt werden. Man bangte um Leib und Leben der eingeladenen Kandidatinnen, weil (in Klammern dahinter die Anzahl ihrer Kinder) Eva Herman (1), Herta Däubler-Gmelin (2) und Iris Radisch (3) aufeinanderlosgingen, als ginge es um ihre eigenen Kinder. Und man lachte über Frank Plasberg (2), weil der ausgelassen auf Dompteur in der Kita machte, scheinbar immer auf der Hut, Schimmeres zu verhüten: "Was ist los, Frau Radisch, Sie sehen jetzt grad so traurig aus?" "Bitte nicht petzen, Frau Däubler-Gmelin!" "Frau Herman überholt mal wieder mit wehenden Haaren". Eine gute Kinderstube muss dieser Plasberg gehabt haben. gey

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