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Glosse Feuilleton : Der Rat des Bockes

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Wer will noch Lehrer werden? Wenn Pläne wie die verwirklicht werden, die ein sogenannter "Aktionsrat Bildung" jetzt vorgelegt hat, vermutlich niemand mehr. Angesiedelt beim Verband der Bayerischen Wirtschaft, schlagen die Aktionsräte einen "Master-Plan" zur Reform aller deutschen Schulen vor.

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          Wer will noch Lehrer werden? Wenn Pläne wie die verwirklicht werden, die ein sogenannter "Aktionsrat Bildung" jetzt vorgelegt hat, vermutlich niemand mehr. Angesiedelt beim Verband der Bayerischen Wirtschaft, schlagen die Aktionsräte einen "Master-Plan" zur Reform aller deutschen Schulen vor. Schon diese Ankündigung könnte einem das Weiterlesen verleiden. Denn was die Dauermasterplanreformitis, das fortlaufende Abwerfen

          von Strukturänderungsvorschlägen an den Schulen bewirkt, ist bekannt: erst Endlosdiskussionen und Konflikte, dann den Befund, dass sich nichts wesentlich ändert, schließlich Apathie und professionellen Zynismus gegenüber der nächsten Reform. Entwickelt werden solche Pläne nicht selten von Bildungsforschern, die sich, wie etwa der Aktionsratssprecher, der Erziehungsphilosoph und Universitätspräsident Dieter Lenzen, zumeist in gebührendem Abstand von Schulen halten. Darum bekommen sie auch wenig mit von den konkreten Nöten des Unterrichts. Wer etwa, der diese Nöte kennt, käme auf den Gedanken, sie ließen sich durch einen Zwang zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen lösen? Die Verträge der Lehrer - Beamte soll es an den Schulen nämlich nicht mehr geben, von den Hochschulen schweigt der professorale Rat -, dürften nur nach Teilnahme an solchen Kursen verlängert werden. Auch andere Vorschläge für das Wachstum von Didaktikbranche und Schulbürokratie werden gemacht. Für Kindergarten und Vorschule seien Bildungspläne "weiterzuentwickeln" und die Erzieher akademisch auszubilden. Auch das vorgeschlagene "Schulranking", das den Eltern angeblich einen Überblick über die Leistung einzelner Schulen geben soll, wird dann gewiss von jenen Leuten erstellt werden, die es jetzt fordern. Aus dem Hochschulranking ist bekannt, wie haltlos und irreführend die entsprechenden Tabellen und ihre Kriterien sind. Aber Fächer wie die "Evaluationsforschung" werden sich freuen. Und die Testindustrie, denn als Zugangsfilter zur Hochschule sollen fächerspezifische Eignungsprüfungen, etwa durch spezielle Test-Firmen, das Abitur ersetzen. Na, das wird einen Motivationsschub bei den Schülern auslösen! Insgesamt lautet die Devise der Aktionsräte also: "Mehr Erziehungswissenschaft!" - ein Vorschlag ausgerechnet jener Disziplin, durch deren Seminare all die Lehrer gegangen sind, von denen es jetzt heißt, dass sie jetzt noch einmal gründlich nachgeschult werden müssen. So macht man den Bock zum Kindergärtner. kau

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