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Glosse Feuilleton : Der Anti-Kracht

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Bitte lesen Sie diese Glosse auf keinen Fall rückwärts. Sie enthält gefährliche Botschaften, zum Beispiel das Wort Pop. Wie gefährlich Pop ist, kann man leicht nachweisen. Lesen Sie Pop doch kurz einmal rückwärts.

          Bitte lesen Sie diese Glosse auf keinen Fall rückwärts. Sie enthält gefährliche Botschaften, zum Beispiel das Wort Pop. Wie gefährlich Pop ist, kann man leicht nachweisen. Lesen Sie Pop doch kurz einmal rückwärts. Gut. Und jetzt lesen Sie bitte 666 rückwärts, die Zahl des Teufels. Sehen Sie? Das sind die Methoden des Antichristen! Noch ein Beispiel, die Popliteratin Elke Naters. Wenn man deren Nachnamen rückwärts liest, kommt was heraus? Satan! Jedenfalls für Legastheniker (oder Norddeutsche). Man darf nicht kleinlich sein, wenn man sich gegen Besessene zur Wehr setzt, die Pop ins Zwielicht rücken wollen, wie der Schriftsteller Christian Kracht. Dieser "Pop-Besessene", so berichtete die "Süddeutsche Zeitung" gestern besorgt, ist auf dem besten Weg hinab in die Unterwelt des rechten Sumpfs. Weil er in dieser Zeitung einmal über den Okkultisten Aleister Crowley schrieb und dessen verfallene magische Kommune im sizilianischen Cefalù aufsuchte. Crowley hatte großen Einfluss auf die Rockband "Led Zeppelin", die in Hits wie "Stairway to Heaven" satanische Verse unterbrachte. Rückwärts gehört ergaben sie für manche "Here's to my sweet Satan", für andere wiederum "Rippchen mit Kraut" - so fies sind die Methoden des Antichristen! Weil Kracht auch Kim Jong-ils Nordkorea als gigantische Inszenierung beschrieb, weil er Nietzscheanern in den Urwald nachreiste und eine unernste Dystopie namens "Methan" vorlegte, weil er die Hauptfigur seines Romans "1979" in einem chinesischen Lager verhungern ließ und sich, wie die "SZ" schreibt, als "postmoderner Dandy" und "reaktionärer Schnösel" gebärde, wegen alledem spiele er den neuheidnischen Reaktionären der deutschen "Darkwave"-Szene in die Hände. So deutlich steht das allerdings nicht im Artikel, es fehlen dem Autor die Argumente. Nur ein Interview gibt es, das Kracht dem zwielichtigen "Darkwave"-Magazin "Zwielicht" gegeben hat. Und den Befund, dass Krachts "immer abstrusere Versuche, mittels der literarischen Rede Grenzen zu überschreiten", zur Folge hätten, "dass ihm Aufmerksamkeit von einer kleinen Gruppe von Menschen zukommt, die in ihrer Freizeit gerne gestärkte und gebügelte HJ-Uniformen trägt und vom Lagerfeuerabend mit gleichgesinnten Kameraden träumt". Zum Glück kann es Kracht egal sein, was Leute mit seinen Büchern tun, die zwar bügeln und stärken, aber nicht lesen können. Kracht selbst spielte wie gewohnt nur mit ihnen, das zeigt das Interview. Die, die lesen können, schätzen seine Bücher, weil sie in ihnen "kulturelle Emanzipation" finden, "Irritation, Innovation, Subversion, Auflösung von vorgegebenen Strukturen, die Verabschiedung von tradierten Werten, Brechung und Umcodierung bestehender Bedeutungszusammenhänge durch Ironisierung". All das, so ermahnt die "SZ" den Schriftsteller Christian Kracht, sei doch die wahre Bestimmung von Pop. All das ist Christian Kracht. tob

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