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Glossar der Krise : Zuversicht

Ganz offensichtlich ist es dem Menschen eine Lust, auch in weitgehend unsicherer Lage irgendwann wieder zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Die Hirnforschung hat da inzwischen einiges beigesteuert.

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          Wieso genügen eigentlich schon ein paar Zahlen und vielleicht noch einige Körnchen Optimismus, die man sich filigran aus Umfragen herausschneidet, dass nun allenthalben wieder Zuversicht verbreitet werden kann? An den zugrundeliegenden ökonomischen Modellen und der Vertrauenswürdigkeit gescheiterter Prognosen kann es wohl nicht liegen. Trotzdem sehnen wir uns alle mit den Banken und Chefvolkswirten nach dem Sinneswandel.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ganz offensichtlich ist es dem Menschen eine Lust, auch in weitgehend unsicherer Lage irgendwann wieder zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Eine am Ende sicher glückliche Gabe, die sich bis an die Wurzeln unseres kulturellen und biologischen Ursprungs verfolgen ließe. Die Hirnforschung hat da inzwischen einiges beigesteuert.

          Mit dem klugen Satz beispielsweise, dass es intuitiv besser sei, ständig und frühestmöglich nach positivem Wissen zu suchen, als in einsiedlerischer Ahnungslosigkeit zu verharren, haben neulich amerikanische Neurologen ihre Entdeckungen im Mittelhirn gewürzt, wonach genau dort die Quelle und der Ursprung unserer immanenten Zuversicht zu finden seien. Es handelt sich um eine Hirnregion, Substantia nigra, die als Belohnungszentrum während alltäglicher Lernprozesse bekannt geworden ist. Dopamin ist der Treibstoff der hier angesiedelten Zellen. Wenn diese Zellen feuern, bringt das Kaskaden in Gang, die ganz eigene Glücksmomente erzeugen.

          Lockt nach der Bewältigung einer Aufgabe der Lohn, sind diese Zellen hochaktiv. Sie sind es offenbar aber auch schon, wenn der Mensch nur die Möglichkeit künftiger Gewinne antizipiert - wenn ein neuer Job lockt, besseres Gehalt oder eben die Chance auf den Aufschwung. Unser Wunschdenken lässt die Neuronen mit Dopamin fluten. Wir motivieren uns mit Ahnungen und belohnen uns mit Informationen über die Zukunft. Entziehen können wir uns all dem vermutlich kaum, denn wir alle sind süchtig nach Glück. Auch nach dem fernen, abstrakten Glück.

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