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Glossar der Krise : Sunset Boulevard

  • -Aktualisiert am

Auch wenn jedes zweite amerikanische Haus, das in den ersten drei Monaten dieses Jahres seinen Besitzer gewechselt hat, eine zwangsversteigerte oder eine Short-Sale-Immobilie war, Beverly Hills und Bel Air werden nicht so bald verslumen.

          Die Krise ist eine Immobilienkrise und hat in den Vereinigten Staaten angefangen. In Los Angeles ist sie auch am besseren Ende des Sunset Boulevards zu sehen. In Pacific Palisades stehen die Schilder der Makler samstags und sonntags an jeder Ecke, oft drei, vier oder fünf, und weisen auf offene Häuser hin. An den Häusern selbst hängen Fähnchen, manchmal auch Ballons. Man kann sie besichtigen, oft überdimensionierte, für ihre Größe auf zu kleinen Grundstücken stehende Eigenheime. Die besten von ihnen mit Blick auf die Santa Monica Mountains oder den Pazifik.

          Die meisten dieser Häuser sind auf einmal, das ist die Krise, deutlich weniger wert, als sie noch vor kurzem gekostet hätten. Wer zur Hoch-Zeit des Immobilienbooms ohne viel Eigenkapital gekauft oder sein Haus nachträglich beliehen hat, den drücken nun Schulden, deren Höhe den derzeitigen Marktwert seines Hauses weit übersteigen kann. Underwater-Mortgage nennt der Amerikaner das, weil solche Hypotheken einen vom höchsten Berg mit Aussicht herab unter Wasser drücken können. Wo einem bald die Luft ausgeht.

          Wohnen wie Hefner

          Seit Juli 2008 sind die Preise für Einfamilienhäuser in den Vereinigten Staaten um 21 Prozent gefallen. Und noch weiß keiner, ob sie nicht noch weiter fallen. Optimisten singen im Dunkeln und meinen, die Preise hätten sich stabilisiert. Andere sagen, gerade die Preise für große, teure und sehr teure Häuser in Ballungsgebieten, die sich in manchen Gegenden im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt, manchmal sogar verdreifacht hatten, könnten weiter sinken. Vielleicht ist die Blase noch gar nicht ganz geplatzt

          Trotzdem, auch wenn jedes zweite Haus, das in den ersten drei Monaten dieses Jahres seinen Besitzer gewechselt hat, eine zwangsversteigerte oder eine Short-Sale-Immobilie war, Beverly Hills und Bel Air werden nicht so bald verslumen. Verzicht üben und kleine Abstriche machen muss man jedoch auch dort. Hugh Hefner, der Erfinder des „Playboy“, hat, so stand es am Samstag in der „Los Angeles Times“ in der wöchentlichen Rubrik „Hot Property“, sein etwas abseits des Sunset Boulevards gelegenes Haus in Beverly Hills verkauft.

          Haus ist in diesem Zusammenhang aber wahrscheinlich ein viel zu kleines und zu bescheidenes Wort mit viel zu wenigen Buchstaben für ein Anwesen mit fünf Schlafzimmern, sieben Badezimmern und vielen weiteren Gemächern, darunter auch „powder rooms“ für Sie und Ihn. Letzteres sind dann aber doch nichts anderes als Gästetoiletten. Schon seit März 2009 auf dem Markt und für 27 Millionen angeboten, ist Herr Hefner seine Residenz nun endlich losgeworden: für bescheidene 18 Millionen Dollar.

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