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Gloria von Thurn und Taxis : Fürstin Elefant

  • -Aktualisiert am

Unterschätzt: Gloria von Thurn und Taxis Bild: dpa

Gloria von Thurn und Taxis wird noch immer belächelt, bespöttelt und unterschätzt. Zu Unrecht: Sie gilt als exzellente Managerin, und ihre gerade erschienene Biographie liest sich wie ein Wirtschaftskrimi.

          In der Kutschergasse des fürstlichen Marstallmuseums verschafft sich eine energiegeladene Stimme Gehör. Wer spricht? Es ist die Fürstin von St. Emmeram, die mit Charme und Verstand eine ihrer unnachahmlichen Reden schwingt.

          Ihr Sujet: das künstlerische Werk einer der berühmtesten Fotografinnen der internationalen Szene, die mit ihrer Kamera im Regensburger Schloß die Zeit stillgelegt hat. Candida Höfer und Gloria von Thurn und Taxis - ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Zwei erfolgreiche Agentinnen in eigener Sache. Die beiden geben ein apartes Bild ab. Die patente, wirbelnde Fürstin neben der Becher-Schülerin mit dem protokollierenden Blick. Die obsessive Selbsterneuerin neben der ordnenden Dokumentaristin. Unnachgiebig und stilbewußt sind beide. Die adelige Lady indes noch immer belächelt, bespöttelt und unterschätzt.

          Party-Prinzessin und gute Partie

          Lange galt Gloria von Thurn und Taxis als eine Frau, die ihre Kraft damit verschwendet hatte, sich als Party-Prinzessin und gute Partie zu verkaufen. Doch als der Fürst bei seinem Tod 1990 seiner jungen Frau eine prachtvolle Immobilie, eine unrentable Unternehmensgruppe und Steuerschulden in zweistelliger Millionenhöhe hinterläßt, belegt diese ein Selbststudium in Betriebswirtschaft.

          In nur einer Dekade gelingt es der lustigen Witwe, das TNT-Imperium in eine der einfallsreichsten Dynastien Europas zu verwandeln. In einer beispiellosen Sanierungsaktion trennt sie sich von langjährigen Managern, läßt das Tauf- und Tafelsilber bei Sotheby's versteigern, verkauft Wald und mittelständische Industrie, vermietet große Flächen des Schloßkomplexes an Kanzleien und vermarktet das Label der bayerischen Noblesse auf Regenschirmen und Schlüsselanhängern.

          Zehntbeste Finanzmanagerin

          Im Jahr 2002 wählt das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Business Week" die Regensburger Schloßherrin zur "zehntbesten Finanzmanagerin". Ihr Erfolgsrezept: ein medienwirksames Charisma aus Pragmatismus, Lebenslust und raffiniertem Mut zu unkonventionellen Lösungen. Sie beherrscht alle Regeln der intelligenten Konversation, kennt die Floskeln und weiß, was ein Lapsus ist. Ihre Durchlaucht ist eine exzellente PR-Agentin. Betriebswirtschaftliches Geschick ist das eine, Medienpräsenz das andere. Souverän wechselt sie vom Standbein aufs Spielbein. Die Skandale, die sie produzierte, gingen im Grunde immer konform mit ihrem jeweiligen Image.

          Nach den schrillen Exzessen der späten Jugend und dem exaltierten Glamour der Ehejahre spielen ihre Society-Stücke jetzt in der Politik und Wirtschaft. Bei der Bundespräsidentenwahl in Berlin stimmte sie als Wahlfrau der CSU für Gesine Schwan, die Kandidatin der SPD. Ihre gerade erschienene Biographie liest sich passagenweise wie ein Wirtschaftskrimi.

          Im F.A.Z.-Fragebogen gab sie auf die Frage "Was möchten Sie sein?" die programmatische Anwort "Ein Elefant im Porzellanladen". Dieser Porzellanladen ist jetzt auf einem großformatigen Bild der Fotokünstlerin Höfer zu sehen: sieben Meter fürstliches Geschirr und Tafelsilber auf weißem Damast.

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