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Global Media Forum in Bonn : Genügt ein Smartphone für die Journalisten der Zukunft?

  • -Aktualisiert am

Mathias Döpfner und Jeff Jarvis diskutieren beim Global Media Forum in Bonn. Bild: Deutsche Welle

Auf dem Bonner Global Media Forum trafen Google-Experte Jeff Jarvis und Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, aufeinander: Es ging um die Zukunft des Journalismus in der Online-Kultur.

          Eine leicht zu beantwortende Frage, wie immer, wenn das abwesende Publikum in eine Konferenz integriert werden soll, aber nur für einen von zahllosen Tweets Zeit ist: Bedrohen die sozialen Medien den Journalismus? „Nein, sie bieten die größten Chancen“, sagte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, noch ehe ihm das Wort erteilt wurde. „Nein“, sagte auch Salah Negm, Nachrichtenchef von Al Jazeera, mit dem Döpfner unter anderen beim Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn diskutierte. „Die sozialen Netze“, schloss Negm an, „sind aber ein interpersonales Medium, kein Massenmedium“.

          In dieser Antwort steckte dann doch Kontroverses, zumindest in den Augen des New Yorker Journalismus-Professors Jeff Jarvis. Es sei nämlich beleidigend, sagte er, das Volk einer Demokratie als Masse zu bezeichnen, bestehe es doch aus Individuen. Masse sei darüber hinaus eine Erfindung des analogen Journalismus, die man wie so viele andere in der digitalen Gesellschaft nicht mehr brauche. Damit war die Debatte über die Zukunft des Journalismus eröffnet.

          Die Smartphone-Revolution

          Das sollte sie zumindest sein, hätte nicht Tim Sebastian, ehemaliger BBC-Moderator, der die Diskussion leitete, sie eher verhindert.
          Bevor Sebastian das erste Mal die Diskussion zwischen Jeff Jarvis und Mathias Döpfner beendete, forderte Döpfner von Jarvis einen Bezug zum Thema. Jarvis sprach in seiner eigenen Art über das Internet, das noch zu jung sei, um es definieren zu können. Vor wenigen Wochen trug Jarvis auf einer Konferenz von Google in Berlin vor, sagte dieselben Sätze, kam nun in Bonn allerdings nicht bis dahin, zu fordern, dass man das Internet nicht regulieren dürfe. Döpfners Intervention brachte Jarvis stattdessen dazu, über den künftigen Journalismus zu reden. Man dürfe, sagte Jarvis also, ihn nicht voreilig definieren. Er solle nicht in altes Denken gezwängt werden, ehe man wisse, womit man es zu tun habe. Es könnte schließlich sein, dass künftig allein ein Smartphone für Journalismus reiche.

          Der Vertrieb journalistischer Inhalte wurde durchaus revolutioniert, sagte Döpfner schon zuvor. Allerdings gelte dies nicht für die journalistische Arbeit selbst: Die Erstellung von Inhalten, die Garantie für Qualität, die Schaffung von Vertrauen und die Übernahme von Verantwortung. Tatsächlich lehre die Digitalisierung, an den Grundwerten journalistischer Arbeit festzuhalten, um nicht nur die gefällige, sondern weiterhin auch anstrengende und zuweilen gefährliche Arbeit der Berichterstattung zu erledigen.

          Googles Macht

          Über die Schwierigkeiten, dafür kein Geschäftsmodell mehr zu finden, sprach Döpfner auch in einer die Diskussion einleitenden Rede.
          Google sei heute nicht nur die wertvollste Marke der Welt, sondern auch eins der teuersten Unternehmen. Die Überflügelung von Exxon Mobile im Börsenwert lege die Beobachtung nahe, Daten als das neue Öl zu betrachten und danach zu fragen, was es bedeute, wenn ein Unternehmen mehr als 90 Prozent Marktanteil an ihrer Verarbeitung halte. Das Kartellverfahren der Europäischen Union rücke Google bei dieser Frage in den Mittelpunkt. Wenn Unternehmen wie Google derart markstark seien, gewännen sie auch als Infrastrukturanbieter an Geltung, sagte Döpfner. Niemand in der Verlagsbranche könne heute ohne Google auskommen. Es wäre, wandte sich Döpfner an Peter Limbourg von der Deutschen Welle, als würde man Fernsehen ohne Elektrizität machen wollen.

          Diese Abhängigkeit führe zu Angst, bekräftigte Döpfner seine Haltung. Google nutze seine Marktmacht aus. Bislang verzerre es damit den Markt für Journalismus. Künftig würden weitere Branchen und Lebensbereiche davon betroffen sein. Es gehe um mehr als um fehlende Geschäftsmodelle für Journalisten, die von der Währung Aufmerksamkeit nicht leben könnten, sagte Döpfner. Vielmehr werde die gesamte Gesellschaft in ein Geschäft verstrickt, in dem sich Google und andere IT-Unternehmen an ihrem Wissen über das Verhalten von Bürgern und Unternehmen bereichern.

          Deshalb gehe es nicht bloß um Geld, sondern um den höheren Preis der Freiheit. Diese Krise sei einzigartig und neu, auch für Journalisten, die ihrerseits schon viele Krisen erlebten. Tatsächlich hätten die Vertreter seiner Zunft längst akzeptiert, nicht mehr arrogant und abgeschottet über die öffentliche Meinung bestimmen zu wollen. Aber so viel die neue Sensibilität für Themen und die Ansprechbarkeit von Autoren auch bedeuteten, nicht alle Leser wollen allein nach ihren Interessen informiert werden, sagte Döpfner. In der Digitalisierung sei es nicht nur schwerer, die Relevanz für Themen zu behaupten. Es gehe auch das Potential für Überraschungen und nützliche Irritationen verloren.

          Der interessanteste Abschnitt der Diskussion fand dann wieder ein jähes Ende. Tim Sebastian wollte nicht, dass Mathias Döpfner Jeff Jarvis danach fragt, welche Rolle den IT-Unternehmen bei der Gestaltung der öffentlichen Meinung heute zufällt. Jarvis konnte gerade noch behaupten, dass die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Funktion von Suchmaschinen die Geschäftsmodelle von Google und anderen Anbietern gefährden würde. Dann wechselte Sebastian das Thema, unter der Annahme, es gebe ein wichtigeres.

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