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Homosexualität und Islam : Archaische Strafmethoden

  • -Aktualisiert am

Trauernde von dem Nachtclub „Pulse“ in Orlando Bild: Reuters

Gewalt gegen Homosexuelle nimmt zu, auch als Antwort auf die steigende Akzeptanz der Gay-Kultur. Das Attentat in Orlando ist ihre bislang extremste, dschihadistische Version.

          Der Terroranschlag gegen Homosexuelle im amerikanischen Orlando ist präzedenzlos, doch kommt man seinen Inspirationsquellen schnell auf die Spur. Dass der Attentäter Omar Mateen in welcher Form auch immer islamistisch radikalisiert wurde, steht mittlerweile fest. In seinem Wohnort Forth Pierce hatte er dieselbe Moschee regelmäßig besucht, die einst auch der amerikanische dschihadistische Selbstmordattentäter Moner Mohammed Abu Salha frequentierte. Die beiden kannten sich persönlich, und als Abu Salha sich für den Al-Qaida-Zweig „Nusra-Front“ im Sommer 2014 mit einem mit mehreren Tonnen Sprengstoff beladenen Lastwagen in Syrien in die Luft jagte, kann dies Mateen nicht unbeeindruckt gelassen haben – zumal Abu Salha nicht nur als erster, im syrischen Bürgerkrieg eingesetzter amerikanischer Suizidterrorist in die Geschichte einging. Zusätzlich erregte er Aufmerksamkeit durch seine Abschiedsfotos mit einem Kätzchen auf dem Schoß – als der amerikanische „Abu Huraira“, benannt nach dem legendären Kämpfer und Gefährten des Propheten, der eine kleine Katze bei sich gehabt haben soll.

          Legitimierung grausamer Hinrichtungen durch Berufung auf den Hadith

          Mateen wollte offensichtlich auf seine Art Spektakuläres vollbringen. Als Ziel suchte er sich das Gay-Milieu in der Region aus, das er über längere Zeit gründlich studierte. Die Anregung dazu dürfte er sich auch bei jenen medial inszenierten Hinrichtungen von Homosexuellen durch Dschihadisten geholt haben, die seit etwa zwei Jahren weltweit für Empörung sorgen. War Mateen spätestens durch den Selbstmordanschlag Abu Salhas auf die „Nusra-Front“ aufmerksam geworden, so konnte ihm auch ihr brutaler Umgang mit tatsächlichen und vermeintlichen Homosexuellen kaum entgangen sein, liefert sie doch hier nicht grundsätzlich andere Schreckensbilder als ihre medial weit präsentere Konkurrentin, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Beide Organisationen berufen sich auf Hadith-Überlieferungen, mit denen die Todesstrafe für homoerotische Handlungen legitimiert wird, beide verweisen daneben aber auch auf den Koran (etwa Sure 7: 80-81). Dort wird im Zusammenhang mit der Geschichte des biblischen Lot von jener „Abscheulichkeit“ berichtet, die die Bewohner Sodoms an seinen Gästen, die Gott ihm als Prüfung gesandt hatte, begehen wollten und die der rechtschaffene Lot verhinderte. Jede der drei abrahamitischen Religionen konstruierte hieraus ihr eigenes Verbot des Analverkehrs, der auch im Koran nicht explizit genannt wird. Die islamischen Rechtsgelehrten prägten dafür den Begriff „Tat des Volkes Lots“ (amal qaum Lut), woraus der Infinitiv „liwat“ (vom arabischen Wortstamm lwt für Lot) gebildet wurde. „Liwat“ ist auch die heute gängige juristische Bezeichnung für diese unter Strafe gestellte Handlung.

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