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Glenn Greenwald erzählt : Und dann traf ich den Mann mit dem Zauberwürfel

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Der „Guardian“ ist anders?

Genau. Der „Guardian“ baute seine Präsenz in Amerika aus, wo es keine große, wirklich linksliberale Publikation gibt. Und scheute sich nicht, die Regierung herauszufordern. Das fand ich attraktiv.

Was macht guten Journalismus aus?

Journalismus sollte in der Demokratie Widersacher all derer sein, die Macht ausüben. Die Frage ist, wie viel man über deren Machenschaften - vor allem die geheimen - herausbekommen kann, damit die Öffentlichkeit versteht, was sie tun.

Wie finanziert man Journalismus im digitalen Zeitalter? Wie bleibt man unabhängig? Bei „The Intercept“ bezahlt der Ebay-Gründer Omidyar.

Als ich zum „Guardian“ ging, habe ich gesagt, ich komme nur, wenn ich direkt online schreiben kann, ohne Redaktionskontrolle. Ich schätze Redakteure, denen man vertrauen kann. Aber mir geht es um Unmittelbarkeit, Leidenschaft und Resonanz. Das habe ich bei „The Intercept“. In einem Punkt hat das Internet den Journalismus verändert, und zwar zum Guten: Früher zählte die Marke einer Publikation. Deren Regeln musste man sich unterwerfen. Heute zählen die Individuen, die einzelnen Journalisten - sie sind die Marke. Das gibt Journalisten die Möglichkeit, zu sagen: Ich komme und bringe eine Leserschaft mit, und ihr lasst mich in Ruhe machen.

Was soll „The Intercept“ erreichen?

Ich will die Mächtigen herausfordern. Aber das kann ich als einzelner Blogger nicht. Echter investigativer Journalismus ist riskant und kostet Geld. Ich brauche die Erfahrung von Redakteuren, den Rat von Anwälten, ich muss reisen. „The Intercept“ gibt mir, was ich brauche.

„The Intercept“ hat einen digitalen Briefkasten, in dem man Informationen hinterlegen kann. Was geht da so ein?

Es kommen laufend Leute, die sagen: Ich habe eine Riesengeschichte. Dann denke ich, wie zuerst bei Snowden: O Gott, wieder so ein Wichtigtuer. Wir schauen uns aber alles genau an. Täten wir das nicht, könnten wir den nächsten Snowden übersehen. Ich wollte einen Platz für alle Snowdens schaffen. Wir haben die Technik und die Fähigkeiten, unsere Quellen und geheimes Material zu schützen.

Birgt Snowdens Material noch Neues?

Eine Menge. Deshalb wollen wir von „The Intercept“ in New York einen Raum schaffen, den Journalisten aus der ganzen Welt aufsuchen könne, um direkt mit Snowdens Dokumenten zu arbeiten.

Snowdens Archiv wird öffentlich?

So ist es. Selbst wenn sich zehn Journalisten rund um die Uhr damit beschäftigen, können sie immer noch Dinge übersehen, die andere entdecken. Ich habe auch ein persönliches Motiv: Dieses Archiv lässt mich nicht los. Wenn ich an etwas anderem arbeite, habe ich immer ein schlechtes Gewissen und denke: Da gibt es noch etwas, von dem die Welt wissen sollte.

Sie haben nicht mehr permanent einen Daten-Stick mit den Snowden-Dokumenten bei sich?

Den hatte ich in den ersten acht Monaten jeden Tag, jede Minute bei mir. Er war an meinem Rücken befestigt.

Haben Sie noch regelmäßig Kontakt zu Edward Snowden?

Habe ich. Und ich bin sehr froh darüber, wie die Dinge für ihn laufen. Vor achtzehn Monaten dachten wir, er würde im Gefängnis landen. In Russland kann er sich frei bewegen und an der Debatte über die NSA teilnehmen. Er kann Artikel schreiben und Interviews geben. Seine Freundin ist bei ihm, er kann so etwas wie ein normales Leben führen.

Sind Sie auch mit der Wirkung der Enthüllungen zufrieden?

Absolut. Sehen Sie doch nur, wie intensiv wir die Snowden-Enthüllungen immer noch debattieren. Das habe ich nicht erwartet. Es war klar, dass die NSA nicht sagen würde: Sorry, wir haben einen Fehler gemacht, wir hören damit jetzt auf. Die Menschen haben wirklich begonnen, anders über die Überwachung zu denken. Das macht mich sehr optimistisch.

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