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Glenn Greenwald erzählt : Und dann traf ich den Mann mit dem Zauberwürfel

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Deshalb unternehmen Google, Facebook und Apple jetzt viel, um zu zeigen, dass sie nicht mit der NSA kooperieren. Sie bauen Verschlüsselungen in ihre Geräte ein, die sie nicht einmal für die NSA öffnen könnten, wenn sie wollten. Nicht, weil diese Firmen Interesse an der Privatsphäre ihrer Nutzer hätten, im Gegenteil. Viele im Silicon Valley halten Privatsphäre für obsolet. Aber die Daten ihrer Nutzer vor staatlicher Überwachung zu schützen ist zu einer Frage des Wettbewerbs geworden. Das ist eine echte Bedrohung für den Überwachungsstaat.

Aber dieser Wettbewerb findet zwischen wenigen Marktbeherrschern statt. Glauben Sie, dass deren Kunden sich fragen, was mit ihren Daten geschieht?

Durch die sozialen Netzwerke leben wir heute ein öffentlicheres Leben als früher. Aber Menschen haben ein präzises Gespür für Privatsphäre. Sie schließen ihre Badezimmertür ab und verwenden Passwörter für ihr E-Mail-Postfächer. Jeder hat etwas zu verbergen. Das ist ein wichtiger menschlicher Instinkt. Dass die Zahl derjenigen, die verschlüsselte E-Mails versenden, stetig steigt, folgt diesem Instinkt. Als Erstes müsste E-Mail-Verkehr standardmäßig verschlüsselt werden. Das würde der NSA das Ausspähen des Internets erschweren.

Wir nutzen die Angebote der Internetfirmen, obwohl wir nicht wissen, was sie mit den Massen an Daten tun.

Wenn Sie die Google-Suche nutzen und Google Mail öffnen, wird das Unternehmen das aufzeichnen. Aber wenn Sie Yahoo oder Skype nutzen, hat nicht Google die Daten, sondern Microsoft. Auch was Sie bei Facebook posten, landet nicht bei Google. Es gibt eine Balkanisierung der Daten, keine Firma hat sie alle. Das ist weniger beunruhigend als die zentrale Datensammlung durch die Regierung. Unternehmen wollen Geld verdienen. Regierungen wollen die Bevölkerung kontrollieren. Das ist viel gefährlicher.

Hat eine Firma wie Google nicht ein Datenmonopol? Muss man das nicht kontrollieren? Was halten Sie von den europäischen Plänen, Google aufzuspalten?

Google ist in der Tat ein gefährliches Unternehmen. Die an einem Ort versammelte Macht ist erschreckend. Denken Sie nur an die Software zur Gesichtserkennung und die Versuche, Computernetzwerke so zu konstruieren, dass sie wie Neuronen arbeiten. Das Problem ist, dass die europäischen Regierungen solche Ankündigungen lieben. Das klingt prima, aber es folgt nichts daraus. Europa wird Google nicht kriegen.

Sprechen wir über Ihr Verhältnis zur Presse. Sie haben als Blogger angefangen, dann für Salon.com und für den „Guardian“ geschrieben. Zugleich kritisieren Sie die „New York Times“ und die „Washington Post“. Und machen Ihr eigenes Ding mit „The Intercept“, das der Ebay-Gründer Pierre Omidyar finanziert.

Traditionelle Medien wie die „Washington Post“ und die „New York Times“ nutzen ihre Position nicht richtig. Die „Times“ hat in der amerikanischen Politik mehr Einfluss als alle anderen. Die Regierung ging immer, wenn sie etwas loswerden wollte, zu ihr. Snowden ging mit seiner Geschichte nicht nur nicht zur „Times“, er wollte sie unbedingt ausklammern. Weil die Zeitung immer wieder große Geschichten hatte und nicht brachte, wenn die Regierung es nicht wollte. 2005 fanden zwei NYT-Reporter heraus, dass die Regierung vor der Wahl 2004 die Telefonate von Amerikanern abgehört hatte. Die „Times“ hatte die Geschichte, Präsident George W. Bush sagte, sie gefährde die nationale Sicherheit und helfe Terroristen. Das war ein dummes Argument, aber die Zeitung gehorchte. Sie brachte die Sache nur, weil der Reporter James Risen so sauer war, dass er ein Buch schrieb. Dann kam die „Times“ damit heraus und gewann einen Pulitzer-Preis. Die Beziehungen zwischen der amerikanischen Regierung und den Medien sind eng - nur so konnte der Öffentlichkeit der Irak-Krieg verkauft werden.

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