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Giorgio Moroder im Gespräch : Sie waren verrückt, diese Leute

  • Aktualisiert am

Giorgio Moroder am Eröffnungstag des Filmfests München Bild: picture alliance

Für seine Kompositionen ist Disco nur ein Wort. Ein Gespräch mit Giorgio Moroder über sein Werk, Musikmaschinen und die Frage, wie Filme klingen.

          6 Min.

          Es ist das 30. Filmfest, das sie in München feiern - und zum Jubiläum haben sie Giorgio Moroder eingeladen, den Südtiroler Musiker, dessen Karriere als Produzent und Komponist vor vierzig Jahren in München begann; den Mann, der jene Musikrichtung erfand, die man Disco nennt. Und der, als er dann nach Amerika ging, einer der erfolgreichsten Filmkomponisten wurde. Er hat, für „Top Gun“, „Flashdance“ und „Midnight Express“, drei Oscars gewonnen. Und für die Soundtracks zu „Scarface“, „American Gigolo“ und „Cat People“ verehren ihn die Cinephilen. Hansjörg Moroder, 1940 in St.Ulrich im Grödnertal geboren, spricht mit Südtiroler Dialekt und einer großen Begeisterung für alles, was Musik ist.

          Hat sich die Stadt München jemals bei Ihnen bedankt, hat sie Ihnen einen Orden verliehen oder die Ehrenbürgerschaft?

          Nein.

          Wo doch der ganze Mythos von München in den Siebzigern, mit den Rolling Stones und Queen und Disco seinen Ursprung im Musicland-Studio von Giorgio Moroder hat. Die Musiker kamen nach München, um in Ihrem Studio Platten aufzunehmen.

          Ich hatte das Studio eigentlich für mich selbst eingerichtet. Aber kaum war ich damit fertig, rief jemand von der Plattenfirma an und meinte: Marc Bolan von T. Rex braucht dringend ein Studio. Zwei Monate. Ich habe es vermietet, weil es gutes Geld gab, und als Bolan fertig war, konnte ich ein, zwei Wochen arbeiten. Dann rief Ian Stewart an, der damals bei den Rolling Stones der Pianist war. Ob er sich das Studio mal anschauen könnte. Ich sagte: Es ist noch ein bisschen funky...

          Was heißt hier funky?

          Das Mischpult war klein und nicht auf dem neuesten Stand, das ganze Studio war noch sehr einfach. „Ich glaube nicht, dass Mick Jagger hier aufnehmen will“, sagte ich. Aber Stewart meinte: Genau das wollen die Stones, das Einfache. Damit hat alles angefangen. Nach den Stones kam Queen, dann kam Elton John, so ging es los.

          Was war das Besondere?

          Es war erst ein sehr kleines Studio, dann habe ich Räume dazugemietet. Ich kannte viele Studios in ganz Europa, und fast alle waren ungemütlich, viereckig. Ich wollte ein Studio, in dem die Musiker sich wohl fühlen. Es gab eine Couch, einen Tisch, wo man essen konnte. Und weil oben ein Hotel war, konnten die Musiker mit dem Fahrstuhl nach Hause fahren.

          Die Zeiten, in denen es sich gehörte, ein Hotelzimmer zu zertrümmern, waren vorbei?

          Das Hotelzimmer hat keiner zerlegt. Eher das Studio.

          Wer?

          Led Zeppelin haben im Herbst 1975 in München „Presence“ aufgenommen, ich war gar nicht da, aber als ich zurückkam, hieß es, es seien schlimme Sachen passiert, einer meiner Angestellten musste rennen, weil ihm jemand mit einem Messer nachgelaufen ist. Sie waren verrückt, diese Leute.

          Alle?

          Nein, die meisten waren gern dort. Freddie Mercury hat es am meisten geliebt; der hatte seinen Freund in München, tagsüber hat er aufgenommen, nachts sind sie durch die Discos gezogen.

          Mick Jagger im „Sugar Shack“, Freddie Mercury in den Lokalen rund um den Gärtnerplatz: So stellt man sich die Siebziger in München vor. Waren Sie dabei?

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