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Der Fall Gil Ofarim : Bärendienst

  • -Aktualisiert am

Der Musiker und Sänger Gil Ofarim Bild: dpa

Die neueste Wendung im Fall des Sängers Gil Ofarim lässt nur Verlierer zurück. Aber jetzt, da sich die Täuschung abzeichnet, ist es feige, zu schweigen.

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          Auch nachdem das vermeintliche Vergewaltigungsopfer Gina-Lisa Lohfink als Lügnerin entlarvt worden war, blieb die Berichterstattung merkwürdig ambivalent. Geradeso, als ob man nicht genau wissen könne, was damals wirklich passiert war zwischen zwei Männern und einer Frau in einer Berliner Wohnung. Dabei war es ein Handyvideo aus jener Juninacht 2012 gewesen, das dem Gericht die Beweise geliefert hatte: Es zeigte Frau Lohfink beim Sex, lächelnd in die Kamera winkend. Der Richter des Revisionsverfahrens beschied Lohfink später, mit ihrem Verhalten allen wirklichen Vergewaltigungsopfern einen Bärendienst erwiesen zu haben. Gegenüber dem damaligen Bundesjustizminister Heiko Maas, der Lohfink noch vor Klärung des Falls zur Galionsfigur einer Sexualstrafrechtsreform gemacht hatte, erlaubte sich der Richter einen scharfen Seitenhieb.

          Auch im Fall des Sängers Gil Ofarim, der im vorigen Oktober schwerwiegende Antisemitismus-Vorwürfe gegenüber einem Leipziger Hotelmitarbeiter erhoben hatte, hat Maas, inzwischen Außenminister, prompt reagiert: Leipzig sei kein Einzelfall. Mehr Einsatz gegen Judenhass sei erforderlich.

          In Letzterem ist ihm unbedingt zuzustimmen, die schnelle ministerielle Parteinahme erweist sich nach den jüngsten Erkenntnissen allerdings als vorschnell. Dabei war die Öffentlichkeit über Ofarims Vorwürfe zurecht bestürzt, der am 4. Oktober 2021 per Handyvideo öffentlich machte, dass er von einem Hotelangestellten antisemitisch angegangen worden sei und dieser ihn aufgefordert habe, seine Halskette mit Davidstern „einzupacken“, um einchecken zu dürfen. „Shame on You, Westin Leipzig“ twitterten seinerzeit viele.

          Der Gedanke, dass es sich bei den Vorwürfen um etwas anderes als Tatsachenbehauptungen handelte, verbot sich damals, Zweifel am Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen hätten als monströs zurückgewiesen werden müssen. Und doch kommt die Staatsanwaltschaft nach mehrmonatiger Prüfung nun zu genau diesem Ergebnis: Das Verfahren gegen den Hotelmitarbeiter wurde eingestellt, stattdessen Anklage gegen Ofarim erhoben: wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung auch auf Grundlage von Videomaterial. Das lässt nur Verlierer zurück.

          Niemand hätte sich im Oktober einen solchen Ausgang vorstellen können. Aber jetzt, da sich die Täuschung abzeichnet, ist schweigen feige. Von Heiko Maas, inzwischen Bundestagsabgeordneter, ist bislang keine Stellungnahme bekannt. Dabei hat Gil Ofarim allen wirklichen Antisemitismusopfern einen Bärendienst erwiesen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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