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Gesellschaft : Unbequeme Äußerungen von Harold Pinter in Berlin

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Harold Pinter (l.) bei Aufnahmen zu seinem Film „The French Lieutenant's Women”, 1980 Bild: Herold Pinter

Der britische Schriftsteller Harold Pinter erhielt in Berlin die Hermann-Kesten-Medaille und äußerte sich überaus kritisch zu Afghanistan.

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          Der britische Dramatiker Harold Pinter hat angesichts der Bombardierung Afghanistans schwere Vorwürfe gegen Europa und die USA erhoben. „Die europäischen Regierungen lassen sich von den USA erpressen und bestechen“, sagte Pinter am Sonntag in Berlin nach der Verleihung eines Menschenrechtspreises im Berliner Ensemble.

          Der 71 Jahre alte Dramatiker war mit der Hermann- Kesten-Medaille für sein Engagement für verfolgte Autoren ausgezeichnet worden. Die USA bezeichnete Pinter als „ein extrem gefährliches und mächtiges Tier“, dem im „feigen Europa“ nur „besonders tapfere Politiker“ widerstehen könnten.

          Kompromisslos im Leben wie im Werk

          Pinter, der als der bedeutendste britische Dramatiker der Gegenwart („Der Hausmeister“) gilt, setzt sich weltweit für verfolgte Schriftsteller und Journalisten ein. Er erhielt die mit 20.000 Mark dotierte Hermann-Kesten-Medaille von der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland und dem Land Hessen. Der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, der in Deutschland lebende iranische Lyriker Said, hob bei der Feier hervor, Pinter habe weder in seinen Dramen noch in seinem persönlichen Leben den Kompromiss gesucht: „Sie haben immer die Heuchelei genannt, ohne Rücksicht auf das Protokoll oder den guten Ton“, sagte Said. Nach Darstellung von PEN wurden allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weltweit 538 Autoren bedroht, verfolgt, entführt oder getötet.

          Den seit Juni andauernden Prozess gegen den serbischen Ex- Diktator Slobodan Milosevic nannte Pinter ein „NATO-Siegergericht“, das „unmöglich als unparteiisch“ betrachtet werden könne. Milosevic steht im niederländischen Den Haag unter Anklage des Völkermordes vor einem Tribunal der Vereinten Nationen. Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ trat Pinters Kritik an dem UN-Gericht scharf entgegen und sprach sich gegen seine Ehrung aus. Für ehemalige Häftlinge serbischer Konzentrationslager seien Pinters Äußerungen ein „Schlag ins Gesicht“, monierte die Menschenrechtsorganisation in einer Erklärung.

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