https://www.faz.net/-gqz-2s6u

Gesellschaft : Die oberen zwei Prozent - Hochbegabte

In den Vereinigten Staaten werden „Mensaner” weniger bestaunt - auch Geena Davis ist Mitglied Bild:

Hochbegabte fahren mit angezogener Handbremse durchs Schulleben. Danach lassen sie Langsamdenker allerdings häufig links und rechts stehen.

          Hochintelligent - jeder wäre es gern, aber nur wenige sind es wirklich.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Als hochintelligent gilt man nach einer gängigen psychologischen Definition, wenn man in einem anerkannten Intelligenz-Test einen Wert über 130 (deutsche Skalierung) erreicht.

          Carl-Christian Dressel, Vorsitzender der Hochbegabten-Vereinigung „Mensa in Deutschland e. V.“, sagt: „Intelligenz ist die Fähigkeit, in unbekannten Gewässern nicht zu ertrinken“ und weist gleichzeitig darauf hin, dass diese Fähigkeit keine herausragende Anlage sei. Sie sei vielmehr eine unter vielen nützlichen, bedürfe aber der besonderen Förderung.

          ... nachdenken ...

          Mensa - der etwas andere Verein

          Hochbegabt zu sein ist nicht immer angenehm. Das deutsche Schulsystem zum Beispiel kommt Hochintelligenten mit überdurchschnittlicher Denkgeschwindigkeit kaum entgegen. Bei weitem nicht alle der 2.700 deutschen Mensa-Mitglieder wiesen in der Schule überdurchschnittliche Leistungen nach - auch Unterforderung kann zu schlechten Noten führen. Nicht einmal, wenn es um die Universitätslaufbahn geht, sind Hochbegabte bevorzugte Wunschkandidaten.

          Eines kann man jedoch sagen: Die meisten Mensaner sind Naturwissenschaftler; die Gruppe der Informatiker ist überdurchschnittlich stark vertreten. Die Muster-Biografie des Vorsitzenden Dressel nimmt sich da fast schon ungewöhnlich aus: Abitur mit 1, 0, im Alter von 25 war er Volljurist mit zwei Prädikatsexamen und heute ist der 31 jährige als Verwaltungsrichter tätig.

          Werden Hochbegabte in Deutschland ausreichend gefördert?

          Dressel verneint die Frage vehement: „Der überdurchschnittlich Intelligente muss in der Schule mit angezogener Handbremse fahren - es sei denn, die Eltern können ihrem Sprössling den Besuch einer privaten Schule für Hochbegabte ermöglichen.“ Dressel begrüßt private Initiativen wie die Christopherus-Schulen, warnt jedoch vor „Abkapselung“. Der Hochbegabte sollte immer daran denken, „dass es auch weniger Begabte gibt.“ Auch die soziale Kompetenz im Umgang mit normal Begabten will erworben sein.

          Individuelle Förderung ist nötig

          Im Hinblick auf öffentliche Schulen fordert Dressel eine möglichst individuelle Förderung nicht nur für Lernbehinderte, sondern auch für Lernbegabte, die im normalen Unterricht gleichermaßen leiden.

          Da die meisten Hochbegabten in der Schule unterfordert, einige sogar isoliert sind, erleben sie vor allem ihr erstes Mensa-Treffen als ungemein positiv: „Das Faszinierende an Mensa ist, dass Sie hier plötzlich mit Leuten zu tun haben, die sehr schnell ihre Gedankengänge verstehen können.“

          Steigt das Ansehen der Intelligenz in Deutschland?

          Aus Dressels Sicht ist Intelligenz in Deutschland - anders als im anglo-amerikanischen Raum - immer noch etwas Obskures. Sie wird einerseits bestaunt, andererseits beargwöhnt. Dressel meint aber auch bemerkt zu haben, dass in Deutschland allmählich das Bewusstsein reife, Intelligenz sei ein „Standortfaktor“.

          Bemerkenswert findet Dressel die IQ-Show-Pläne verschiedener Sender, da sie „das Thema Intelligenz positiv ins Bewußtsein der Bevölkerung rücken“. Er weist jedoch auch darauf hin, dass die angekündigten Tests wegen ihrer Rahmenbedingungen unmöglich wissenschaftlichen Ansprüchen genügen können.

          Fernsehstars wie Günter Jauch, Harald Schmidt oder Thomas Gottschalk, die von den Deutschen für besonders „geistig fit“ gehalten werden, hält Dressel wegen ihrer schnellen Auffassungsgabe durchaus für intelligent, möglicherweise seien sie sogar „hochintelligent“. Für den heißesten Mensa-Kandidaten aber hält er Herbert Feuerstein, der mit „MAD“ lange Zeit das „intelligenteste Magazin der Welt“ herausgegeben habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

          Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.