https://www.faz.net/-gqz-3g5v

Gesellschaft : Die Bombe als Emoticon

  • -Aktualisiert am

So kennt man ihn: Smiley Bild: Smiley's Dictionary

Ein 21-jähriger Amerikaner legt Bomben - und bezeichnet sie als „Smileys“ an eine ungerechte Gesellschaft.

          2 Min.

          In Amerika ist ein 21-Jähriger verhaftet worden, der in Briefkästen Rohrbomben versteckt und damit mehrere Menschen verletzt hatte.

          Luke Helder, der Industriedesign studiert, hatte seine Taten gegenüber dem FBI mit sozialen und politischen Missständen im Land begründet. So soll er den Bomben Zettelchen hinzugefügt haben, auf denen er geschrieben hatte: „Wenn ein Prozent der Nation 99 Prozent der Reichtümer des Landes besitzt, ist es kein Wunder, wenn es Probleme gibt“. Er wollte mit den Anschlägen nach eigener Aussage auch gegen die Autoritätsgläubigkeit vieler Menschen protestieren.

          Die Internet-Gemeinde dürfte aus einem anderen Grund hellhörig werden. Angeblich soll der junge Mann, nachdem er in Gewahrsam genommen wurde, gesagt haben, er woll seine Rohrbomben-Anschläge als „Smiley Faces“ verstanden wissen. Der zuständige Sheriff von Pershing County wusste mit dem Begriff nichts Rechtes anzufangen. Das mit dem „Smiley“ sei auslegungsfähig, sagte Sheriff Ron Skinner.

          Gesichter aus Satzzeichen

          Computer-Nutzer wissen es besser. Das „Smiley Face“ ist jenes aus einer gelben Scheibe bestehende lächelnde Gesicht, das dem Schreiber bei der Texterfassung bestimmte Operationen erleichtert. Das lächelnde Gesicht machte als Symbol eines Gefühlsausdruck jedoch noch anderweitig Karriere. Es bekam gewissermaßen „Kinder“, die sogenannten Emoticons. Dabei handelt es sich um Gesichter aus Satzzeichen, mit denen die Verfasser elektronischer Post ihre Nachrichten anreichern.

          Diese Emoticons haben vor allem einen Zweck: Sie sollen Spaß machen. Aber sie können auch Zeit sparen und helfen, eine Nachricht richtig einzuordnen. Wenn jemand seine Mail mit einem grimmigen Emoticon anreichert, versteht der Empfänger sofort, dass der Absender wütend ist. Fügt er ein lächelndes Gesicht hinzu, signalisiert er: „Meine Nachricht war freundlich gemeint.“

          Wann das Smiley erfunden wurde, ist umstritten. Im Internet kursieren über seine Herkunft verschiedene Gerüchte. Eines besagt, dass das Gesicht Anfang der 70er Jahre von den Brüdern Bernard and Murray Spain in Philadelphia entwickelt wurde, die Gag-Artikel verkauften. Angesichts des Vietnam-Krieges und heftiger gesellschaftlicher Konflikte hätten die beiden mit dem lächelnden Aufruf, in „Frieden und Harmonie“ zusammenzuleben, ein Geschäft gewittert. Die Spain-Brüder druckten das Smiley auf T-Shirts und versahen diese mit dem zusätzlichen Schriftzug: „Have a Happy Day“. Eine andere These behauptet, dass das Smiley 1967 in einer Universitätswerbung in Seattle zum ersten Mal aufgetaucht sei. Wieder andere behaupten, der PR-Mann Harvey R. Ball habe das Smiley auf gelbem Grund 1963 erfunden, um die Arbeitsmoral in einer Versicherungsgesellschaft zu erhöhen. Tatsächlich ist das Zeichen aber wohl noch älter. Schon in den 30er Jahren soll es der Getränke-Hersteller Sunkist in einer Werbung verwendet haben.

          Smileys sind „cool“

          Wie kann dieses durchweg positiv besetzte Symbol mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht werden? Mit Smileys und Emoticons lassen sich Dinge knapp auf den Punkt bringen - diese Zeichen gelten als „cool“. Wer in seinen Chat-Beiträgen geschickt diese nonverbalen Signale platziert, beweist Schlagfertigkeit und Fingerfertigkeit. Dabei treten Emoticons in den Chat-Rooms seit ein paar Jahren immer mehr an die Stelle der verbalen Artikulation von Gefühlen und Anliegen. Die Auseinandersetzung mit Worten wird zum Austausch von Bildsignalen. Möglich, dass dabei die Fähigkeit mancher junger Leute, sich differenziert mit Worten zu äußern, verkümmert ist.

          Luke fand es jedenfalls „cooler“, seine kleinen Text-Botschaften mit einem eindeutigen „Gefühlsausdruck“ zu versehen. Er legte der amerikanischen Gesellschaft einen Ausdruck seiner Wut in ihr Postfach.

          Doch das lustige Spiel wurde gefährlicher Ernst. Sechs Menschen wurde verletzt. Sie hätten ebensogut tot sein können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.